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Bislang war die »Greißlerei beim Taubenkobel« genau das, was der Name vorgab: ein netter kleiner Laden mit bäuerlichen Produkten, hübschem Deko-Tand und ein paar Tischerln, an denen man einen Imbiss nehmen konnte. Ein kleiner Umbau läutete nun eine größere Metamorphose ein, die neue »Greißlerei« ist zu einem ernst zu nehmenden Lokal mutiert. Die kleine Standardkarte listet Hausklassiker wie Loipersdorfer Hammerfleisch oder pannonische Krautsuppe auf. Spannend wird es aber beim Studium der diversen Kreidetafeln. Zum cremigen istrischen Ziegenfrischkäse gibt’s wilden Rucola mit dem wunderbaren Öl der kroatischen Mühle Ipša. Die hausgemachte Gänseleber-Terrine mit Bauernbrot, eingelegtem Apfel und Quitten liefert ein Mann mit weißen Handschuhen aus der »Taubenkobel«-Küche nebenan, das Gericht ist ein optisch wie geschmacklich großartiges Konstrukt. Beim Maishendl »façon grand-mère« in Rieslingsauce mit Nockerln zeigt sich die Handschrift von Alain Weissgerber, dessen Frau Barbara Eselböck hier die Gastgeberin gibt. Der feine Vogel kommt in den hübschen Gusseisentöpfchen von Staub auf den Tisch. Doch die neuen Atouts des Hauses sind die in der Sichtküche gebrutzelten Steaks von US-Beef. Zum prächtigen Rib-Eye gibt’s knusprige French Fries, kräutrig komponierten Blattsalat und zweierlei Saucen. Wer sich beim Wein bescheiden gibt, findet auf der Weintafel ein paar mehr als anständige Tropfen, darunter natürlich die vom Familiengut Oggau. Wer fragt, kann auf den Keller des »Taubenkobel« zugreifen. Die neue »Greißlerei« ist ein dörflicher Treff, an dem sich die örtliche Jugend mit jenen mischt, die für zwei Steaks und eine Flasche Rotwein zu 200 Euro vorfahren. Kulinarische »Demokratie« à la Burgenland.
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