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Bethlen Estates Transylvania

Bethlen Estates Transylvania
© Small Luxury Hotels of the World

»In Italien nennt man es ›Simpatico‹«: Richard Hyde von SLH über die Kunst des Gastgebens

Interview
Trend

Im Gespräch mit Falstaff TRAVEL spricht Richard Hyde, Chief Operating Officer von »Small Luxury Hotels of the World« (SLH), über wahre Hoteljuwelen, aufstrebende Destinationen in Europa, den Trend zur Entschleunigung – und die Kunst, dem Gast den Wunsch von den Augen abzulesen.

Richard Hyde, Chief Operating Officer von Small Luxury Hotels of the World (SLH), spricht mit Falstaff TRAVEL über Europas vielversprechendste Hidden Gems, die wachsende Sehnsucht nach entschleunigtem Reisen, die Kunst des Gastgebens – und darüber, welche Hotels im »SLH«-Portfolio den modernen Luxus neu definieren.

Falstaff TRAVEL: Können Sie ein Beispiel für ein echtes verstecktes Juwel in Ihrem Portfolio nennen?

Richard Hyde: Ein Beispiel ist »Bethlen Estates Transylvania« in Rumänien. Es ist ein traditionelles Landgut, das genau das widerspiegelt, wonach viele Reisende heute suchen: völlige Abgeschiedenheit, Stille und eine Rückkehr zur Einfachheit. Das Anwesen befindet sich seit Jahrhunderten im Besitz derselben Familie. Die Eigentümer, Nikolaus und Theodora Bethlen, haben damit begonnen, historische Häuser und Bauernhöfe in der Region zu restaurieren und in kleine Boutique-Unterkünfte umzuwandeln.

Halten Sie Rumänien auch für ein aufstrebendes Ziel?

Wir beobachten ein zunehmendes Interesse an Rumänien im Allgemeinen sowie an Teilen von Bulgarien und der Schwarzmeerküste. Diese Ziele sind im Vergleich zu den etablierten europäischen Märkten noch relativ unberührt. Genau das macht sie so attraktiv – sie bieten Raum, Authentizität und das Gefühl, Neues entdecken zu dürfen, was in den gesättigten Reisezielen immer schwieriger zu finden ist.

Richard Hyde
© Small Luxury Hotels of the World
Richard Hyde

Welche anderen neuen Reiseziele und Reisetrends beobachten Sie derzeit?

Wir sehen eine Bewegung hin zum Urlaub in Europa. Vor allem deutsche Reisende schätzen »Coolcations«: Sie bevorzugen Orte wie Finnland, Norwegen und Schweden. Wir beobachten auch eine Verlagerung hin zu mehr Kurzreisezielen und zu längeren Aufenthalten an einem Ort. Unser durchschnittlicher Aufenthalt lag bisher bei etwa zweieinhalb Nächten pro Buchung, ist aber jetzt auf fast drei gestiegen. Die Menschen ziehen es vor, länger an einem oder zwei Orten zu bleiben und sich zu entspannen.

Apropos Entspannung: Auch Wellness scheint ein wichtiger Trend zu sein. Wie sieht das bei Ihren Gästen aus?

Wir haben im letzten Jahr einige Umfragen unter unseren Gästen gemacht. 72 Prozent der Befragten gaben an, sich im Moment erschöpft zu fühlen, wobei 60 Prozent angaben, dass der Alltag keine echte Erholung zulässt. Sicherlich können wir alle dieses Gefühl nachempfinden: Wir sind immer »on«, permanent über WhatsApp, Instagram, E-Mail oder Telefon erreichbar, und wir können einfach nicht mehr abschalten. 89 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Reisen als effektiv für eine ganzheitliche Erholung ansehen – Entspannung liegt also tatsächlich im Trend.

Wellness ist auch ein wichtiger Teil des »SLH«-Portfolios, insbesondere in der sogenannten »Wellbeing Collection«. Welche Ihrer Hotels haben den besonderen Erholungsfaktor?

Hotels in dieser Kollektion dürfen nicht einfach nur ein Spa oder einen Whirlpool haben, sie müssen sich wirklich auf das Wohlbefinden konzentrieren. Das »Eriro« in Ehrwald, auf der österreichischen Seite der Zugspitze, ist ein perfektes Beispiel dafür. Es handelt sich um ein kleines Hotel mit nur neun Zimmern, das vom ersten Moment an auf Entspannung ausgerichtet ist. In der Natur zu sein und zu sich selbst zu finden, stehen im Mittelpunkt. Das »Forestis« in Südtirol ist ein weiteres gutes Beispiel. Sobald man dort ankommt, kann man loslassen, umgeben vom Wald und den Bergen. Das »Dharana at Shillim« in Pune in Indien – wir haben hier einige Hotels hinzugefügt – bietet sogar ein komplettes Programm, das hilft, zu entgiften und sich zu entspannen.

Wie wichtig ist neben Wellness die Personalisierung des Gästeerlebnisses?

Personalisierung scheint ein Trendwort zu sein, aber genau das setzen wir schon seit Jahrzehnten um. Wir versuchen, die Bedürfnisse unserer Gäste zu antizipieren. Die Italiener nennen es »simpatico« – die Bedürfnisse des Gastes zu kennen, bevor er sie überhaupt äußert. Aber manchmal ist auch weniger mehr. Möchten Sie wirklich, dass in der Willkommens-Mail steht: »Warum machen Sie nicht gleich nach Ihrer Ankunft eine Spa-Behandlung«? Manchmal möchte ich einfach nur in Ruhe gelassen werden. Wir versuchen, es nicht zu übertreiben.

Was sind die wichtigsten USPs der Hotels, die zu SLH gehören?

Es sind eigentlich »small«, »luxury«, »Hotels« (lacht). Sie müssen einen Sinn für den Ort haben, an dem sie stehen. Wir möchten kein Hotel mit einem Allerwelts-Design und einem Interieur, das überall sein könnte. Sie müssen unabhängig und eigen sein. Wir lieben Hotels mit herausragendem Design, toller Architektur oder etwas völlig Einzigartigem, das man sonst nirgendwo findet. Ein unabhängiger Geist ist enorm wichtig.

Dar Alahm
© Small Luxury Hotels of the World
Dar Alahm

Welche Hoteliers und welches Hotel aus Ihrem Portfolio machen das besonders gut?

Hotelier Thierry Teyssier mit seinem »Dar Ahlam« in Marokko, etwas außerhalb von Marrakesch. Es gibt keinen Check-in, und jedes Essenserlebnis ist anders, je nach Stimmung. Wenn man allein unter den Palmen sein möchte, wird rasch ein privates Dinner organisiert. Wenn man sich zu anderen Gästen gesellen möchte, diniert man in der Wüste oder in der Oase.

Sie haben wahrscheinlich schon viele der Hotels besucht, die Teil der »SLH«-Kollektion sind. Welches Hotel hat Sie zuletzt am meisten beeindruckt?

Es war das »Nimb Hotel« in Kopenhagen, wo wir kürzlich ein Treffen aller unserer skandinavischen Hoteliers abhielten. Es liegt direkt in den Tivoli-Gärten, sodass Gäste ein einzigartiges Kopenhagen-Erlebnis haben. Aber es ist auch die Herzlichkeit der Gastgeber. Man sagt, Dänemark sei der glücklichste Ort der Welt. Ich weiß nicht, ob das wahr ist, aber es spiegelt sich auf jeden Fall im Hotel wider. Es ist eine sehr positive, freudige Erfahrung, die man da macht. Und es war ein großartiges Treffen von gleichgesinnten Hoteliers in einer fantastischen Umgebung.

Nimb Hotel
© Small Luxury Hotels of the World
Nimb Hotel

Über Richard Hyde:

Richard Hyde ist Chief Operating Officer und Managing Director von »Small Luxury Hotels of the World« (SLH) und verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung in der internationalen Hotellerie. Er begann seine Karriere im Marketing und in der Markenkommunikation, unter anderem bei »InterContinental Hotels & Resorts«, bevor er 2007 als Berater zu »SLH« kam und später in die Geschäftsführung wechselte.

Über »Small Luxury Hotels of the World«:

»SLH« ist eine kuratierte Kollektion unabhängiger Hotels in über 100 Ländern. Jedes der mehr als 700 Häuser wird persönlich geprüft und steht für individuelle, kettenunabhängige Gastlichkeit. Mit durchschnittlich rund 50 Zimmern bieten »SLH«-Hotels intime, diskrete Aufenthalte mit Fokus auf Privatsphäre, Charakter und Wohlbefinden. Die Auswahl reicht von Baumhäusern und Fischerhütten bis zu Alpenchalets und Wüsten-Ranches.

Barbara Stockinger-Torelli
Autor
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