Ein Wiener Szene-Veteran frisch interpretiert: Bachls Kritik des »Xpedit«
Im hallenartigen »xpedit« gibt’s nach Neuübernahme ungewöhnliche Produktküche zum Teilen.
Ein Wort-Stakkato definiert die Linie: »nature to table. italian inspired. produce driven.« So auf der Homepage des zum x-ten Mal neu übernommenen »xpedit«. Zur Erinnerung: es handelt sich um das vor einem Vierteljahrhundert gegründete »Expedit«, ein lagerartiger Raum bei der alten Postsparkasse, dem irgendwann das »E« im Namen abhandenkam. Nun betreibt mit Ivana Markovic und Küchenchef Ismael Faye ein junges und außergewöhnlich freundliches Team diesen Szene-Veteranen. Wie so oft derzeit ist »Sharing« die Vorgabe. Wobei Einzelesser oder Paare es schwer haben – etwa bei den Hauptgängen. Die exzellente Taube aus Deutsch Tschantschendorf – alles ausgelöst, die Brust rosa, die Haxerln herrlich knusprig, Herz und Leber daneben – kann eine Person ja noch verdrücken. Bei 450 Gramm Wildschweinrücken, im Übrigen recht bissfest geraten, wird’s dann schwierig. Wer nicht mindestens zu dritt ist, muss sich den Rest einpacken lassen.
Bei den zusätzlich zu bestellenden Gemüsen bietet die Küche auch vernachlässigten Dingen eine Bühne – zu selten bekommt man Schwarzkohl, hier mit Pistazie. Auch die Futterrübe Pagunta darf hier Beilage sein. Sehr gelungen: Cannellini-Bohnen mit Kürbis und Pecorino Romano zum Ragout geschmort. Und mit 19 Euro nicht unheftig gepreist. Unter den Vorspeisen sticht »Geklopftes rohes Reh« hervor, eine Art Rehcarpaccio, sehr intensiv mit gesalzener Ringlottenpaste und Holzkohlemayonnaise gewürzt. Dazu wird das wunderbare Schremser gezapft, auf der kleinen Weinliste finden sich zwischen Klassikern auch die Flaschen wie die süffige »The Dog Cuvee« der schrägen Gumpoldskirchner »HOPI Bauern«. Oder ein witziger staubtrockener Lambrusco.