Zwischen Museumscafé und Business Lunch: »w66« eröffnet im Berliner Museum für Kommunikation
Zwischen Ministerien, Bürohäusern und Touristenströmen setzt das neue Café im Museum für Kommunikation einen wohltuenden Akzent – als durchdachter Ort für Mittagspausen, Museumsbesuche oder eine kurze Auszeit.
Berlin-Mitte ist ein Bezirk, der viele Funktionen unter einen Hut bringen muss: Das politische ist hier genauso Zuhause wie das unternehmerische Berlin, vom touristischen Teil der Stadt ganz zu schweigen. Nirgendwo ist diese Pluralität und die damit einhergehende Spannung so deutlich zu spüren, wie auf der Leipziger Straße. Diese Hauptverkehrsachse, die verdammt ist die Konsumhölle des Leipziger Platzes mit dem Niemandsland des Spittelmarkt zu verbinden, beheimatet Büros, das Bundesfinanzministerium und in der Regel ein paar auf der Suche nach dem Checkpoint-Charlie herumirrende Touristen.
Glücklicherweise gibt es für sie alle – Unternehmer, Entscheidungsträger und Besucher – eine neue Oase, in die sie sich vor dem ganz speziellen Leipziger-Straße-Grauen flüchten können. Denn das Museum für Kommunikation hat ein neues Café, das mehr bietet, als man sich von einem Museumscafé für gewöhnlich erhoffen kann. Neben hausgemachten Kuchen und Sandwiches hat Küchenchef Max Maddy einen saisonalen Mittagstisch konzipiert. Zwischen 11.30 und 15 Uhr gibt es aktuell zum Beispiel frische Ravioli in herrlich cremiger Bärlauchsauce oder eine große Portion Spargelsuppe, die durch ein frittiertes Onsen-Ei noch einen dekadenten Touch bekommt.
Zum Durchatmen
Die großzügigen Räumlichkeiten, die der Architekt Ernst Hake Ende des 19. Jahrhunderts für das Reichspostmuseum entwarf, erstrahlen heute durch eine modern-zurückgenommene Einrichtung und große Pflanzen in neuem Glanz und tun sich so gegenüber vielen anderen Museumscafés positiv hervor. Besonderes Highlight ist allerdings die im Innenhof gelegene Terrasse, von der aus der Verkehrslärm der Leipziger Straße nur noch wie ein fernes Rauschen wirkt.
Ob der Spagat zwischen Business-Lunch-Kunden und Besuchern des wirklich lohnenswerten Museums für Kommunikation auf Dauer gelingt, ist noch nicht klar. Schön wäre es ja, wenn alle am gleichen Ort mal ein bisschen durchatmen könnten. Fest steht aber schon jetzt: An der wirklich schmackhaft-unkomplizierten Küche von Maddy, die das »w66« zu fairen Preisen zwischen 15 und 20 Euro anbietet, wird es sicher nicht scheitern.