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Als ich erfuhr, dass ich eine Fahrt im GoldenPass-Zug unternehmen soll, brach ich nicht direkt in Jubelstürme aus. Ich komme aus Deutschland, müssen Sie wissen, bei uns sind die Züge entweder verspätet oder dreckig, der ästhetische Wert eines Regional-Expresses ist begrenzt. Eine einstündige Zugfahrt als versprochenes Highlight einer Reise – nun ja, das gibt’s in meiner Heimat eher selten. Mein Kollege und Fotograf Manfred, wenngleich Österreicher, hat lange genug in Berlin gelebt, um jegliche Illusionen übers Bahnfahren zu verlieren. Weshalb wir zwar höflich lächeln, aber eigentlich skeptisch sind, als uns der Herr vom Bahnanbieter an diesem Morgen freudig die Billets entgegenreckt, ja fast schon beglückwünscht zu unserer Tour mit dem GoldenPass MOB Panoramic. Ausgangspunkt ist Montreux, hier startet der Zug mehrmals am Tag und fährt mit einigen Stopps bis nach Zweisimmen. Wir haben uns für eine Passage entschieden, nicht für die gesamte Strecke. Unser Ziel sind die Berge, um die ganze Bandbreite des Waadtlands zu erkunden; vom See soll es auf knapp 1000 Meter hinaufgehen. Das Hotel haben wir extra früh verlassen, um unseren Zug ja nicht zu verpassen. Eine gute Viertelstunde vor Abfahrt stehen wir auf dem Gleis im «Montreux Gare», die Schweizer Pünktlichkeit im Kopf, Schreibblock und Kamera in der Hand. Wir sind eingeladen zu einer Fahrt in der Ersten Klasse, was unsere Stimmung gleich ein wenig hebt. Erste Klasse, das klingt nach viel Platz, nach Verwöhnprogramm, nach Gelassenheit. Wenn dieser Tarif irgendwo auf der Welt noch diesen Namen tragen darf, dann doch wohl hier in der Schweiz. Und tatsächlich: Breite, komfortable Sessel erwarten uns, alles ist penibel sauber, ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot bis hin zu feinsten Weinen aus der Region stehen auf der Karte. Bis auf eine schweigende ältere Dame im Vierersitz vor uns haben wir den ganzen Wagen für uns allein. Manfred erzählt wortreich von Spurbreiten und historischen Zügen, ich denke an meine Tour durch Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn vor vielen Jahren; wir scheinen niemanden zu stören.
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