In Triest trinkt man viel Kaffee, auch und vor allem zwischendurch an einem Tresen.

Triest: Die Kaffeehauptstadt

Gisela Hopfmüller, Franz Hlavac, 28.06.2020

In Sachen Kaffee hat Triest eine lange Tradition. Typische Triestiner trinken im Schnitt pro Jahr 1500 Tassen Kaffee.

Werbung

«Il capoluogo del caffè» – die Kaffeehauptstadt. Triests Selbstdefinition hat einen guten Grund: Traditionen der Habsburger-Monarchie mischten sich hier mit jenen der multi­kulturellen Hafenstadt. Kaiserin Maria Theresia liess im 18. Jahrhundert die Stadt zu einem der wichtigsten Handelszentren der Monarchie werden. Um 1900 war Triest einer der grössten Kaffeehandelsplätze überhaupt. Den richtigen Kaffee zu bestellen, erfordert Insiderwissen: Was sonst in Italien ein Caffè, also ein Espresso ist, ist in Triest un nero, für ganz Eingeweihte gibt es auch un nero in b, einen Espresso in bicchiere, also im Glas. Ein Cappuccino ist un caffelatte und ein Macchiato einfach un capo, auch in b zu bekommen. Un gocciato ist ein Espresso mit einem goccio, einem Tropfen Milchschaum in der Mitte. Typische Triestiner trinken im Schnitt pro Jahr 1500 Tassen Kaffee. Das ist etwa die doppelte Menge, die sonst in Italien getrunken wird. «In Triest trinkt man den Kaffee zwischendurch, in Eile. Man tritt ein, ruft schon auf dem Weg zum Tresen, gleich nach dem Gruss, die Bestellung hinüber, hält bereits die Münzen in der Hand, und während man sich ihrer entledigt, rührt man auch schon den Zucker in der Tasse um, stürzt den Kaffee hinunter, arrivederci, basta, fertig.» Das schreibt der deutsche Krimiautor und Wahl-Triestiner Veit Heinichen in seinem Buch «Triest. Stadt der Winde» (Hanser Verlag, 2005).

Weiterlesen

Werbung