Mag. Clemens Foisner gründete 2001 das Cybersecurity-Unternehmen SEC Consult, das er 2020 mit 250 Mitarbeitern in 10 Ländern erfolgreich verkaufte. Seit 2025 ist er mit seinem neuen Beratungsunternehmen Horus als Cybersecurity-Berater tätig.
Experte für Cybersicherheit: Das können Sie für Ihre IT-Security im Hotel tun
Hotels sollten mindestens 10 bis 15 Prozent ihres IT-Budgets in Cybersicherheit investieren, sagt Clemens Foisner. Der IT-Security-Experte im PROFI-Gespräch über Hotels als attraktive Ziele, KI-basierte Angriffe, Cyberversicherungen und einen Chatbot, der eigenmächtig Rabatte gegeben hat.
von redaktion
15. September 2025
PROFI: Warum sind Hotels besonders im Visier von Cyberkriminellen?
Clemens Foisner: Hotels sind für Cyberkriminelle attraktiv, weil sie viele sensible Daten speichern – etwa Kreditkarteninformationen, persönliche Gästedaten, Reisepläne und manchmal sogar Gesundheitsdaten. Oft nutzen Hotels veraltete IT-Systeme, die leicht angreifbar sind, vor allem ältere Verwaltungssoftware mit bekannten Schwachstellen. Es gibt viele Zugangspunkte, zum Beispiel das Gäste-WLAN, Mitarbeiterzugänge, Self-Service-Terminals oder Smart-TVs. Sogar IP-Telefone können abgehört werden. Wenn das Personal nicht ausreichend geschult ist, sind Phishing-Mails und Betrugsversuche besonders erfolgreich. Außerdem arbeiten Hotels mit vielen externen Dienstleistern zusammen, deren IT-Systeme ebenfalls ein Risiko darstellen. Der hohe Zeitdruck im Hotelalltag führt dazu, dass wichtige Sicherheitsupdates oft zu spät gemacht werden. Immer mehr smarte Geräte in den Zimmern bieten zusätzliche Angriffsmöglichkeiten.
Welche Maßnahmen empfehlen Sie Hotels mit kleinem Budget?
Für Hotels mit begrenztem Budget ist das absolute Minimum zunächst eine Bedrohungsanalyse durchzuführen, um die wichtigsten Schwachstellen zu erkennen. Anschließend sollten zumindest grundlegende Penetrationstests – sowohl von außen als auch intern – erfolgen, um konkrete Sicherheitslücken aufzudecken. Darüber hinaus ist es wichtig, einen Prozess für regelmäßige Updates und das Management von Schwachstellen einzuführen und das Personal kontinuierlich in Sachen Cybersicherheit und Gefahrenbewusstsein zu schulen.
Wie können sich Hotels auf KI-basierte Angriffe vorbereiten?
KI ist zwar eine neue Bedrohung, aber sie betrifft nicht nur Hotels. Viel wichtiger ist, die eigenen KI-Anwendungen wie Reservierungs-Chatbots abzusichern, denn diese können leicht angegriffen werden. Ein Beispiel: Ein Airline-Chatbot hat einem Kunden in Kanada einen unzulässigen Rabatt gegeben – der Kunde hat den anschließenden Rechtsstreit gewonnen. Hotels sollten also vor allem ihre eigenen digitalen Dienste schützen.
Was müssen Hotels bei Cyber-Versicherungen beachten?
Um eine Cyberversicherung zu bekommen, müssen Hotels nachweisen, dass sie wichtige Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt haben. Die Anforderungen der Versicherungen sind meist ähnlich wie die genannten Empfehlungen zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Was kostet Cybersicherheit für ein mittelgroßes Hotel?
Die Kosten hängen von der Größe des Betriebs und besonders der Anzahl der Computer und Geräte ab. Als Faustregel gilt dabei: Ein Hotel sollte mindestens 10 bis 15 Prozent seines IT-Budgets in Cybersicherheit investieren.
INTERVIEW: Andreas Juva
Mehr aus unserer Coverstory zu IT-Sicherheit in der Hotellerie
- Cybercrime in Hotels nimmt dramatisch zu: Das ist die erschreckende Statistik
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