{"id":53656,"date":"2024-12-05T15:42:24","date_gmt":"2024-12-05T14:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/?post_type=newsbeitrag&#038;p=53656"},"modified":"2024-12-05T15:42:24","modified_gmt":"2024-12-05T14:42:24","slug":"lokale-exoten-heimische-landwirtschaft-reagiert-auf-klimawandel","status":"publish","type":"newsbeitrag","link":"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/newsbeitrag\/lokale-exoten-heimische-landwirtschaft-reagiert-auf-klimawandel\/","title":{"rendered":"Lokale Exoten: Heimische Landwirtschaft reagiert auf Klimawandel"},"content":{"rendered":"<p>Die Regale reichen bis knapp unter die Containerdecke. Auf ihnen reihen sich mehrere zehntausend kleine Beh\u00e4lter aneinander, in denen \u00adfl\u00e4chendeckend <a href=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/newsbeitrag\/kulinarik-und-cocktail-trends-fuer-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wasabi<\/a>-Pflanzen wachsen. <strong>Eszter Simon und Martin Parapatits<\/strong> von \u00bb<a href=\"https:\/\/phytoniq.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PhytonIQ<\/a>\u00ab haben es geschafft, den japanischen Meerrettich in ihrer Indoor-Farm im <strong>burgenl\u00e4ndischen Oberwart<\/strong> erfolgreich zu kultivieren; ganzj\u00e4hrig und wetter\u00adunabh\u00e4ngig. Der Anbau erfolgt mittels \u00ad<strong>Hydroponik<\/strong>. Das bedeutet, dass die Pflanzen nicht in Erde wachsen, sondern ihre Wurzeln in einer N\u00e4hrl\u00f6sung h\u00e4ngen. Wild w\u00e4chst Wasabi in <a href=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/newsbeitrag\/toeten-auf-japanisch-warum-ike-jime-die-zukunft-der-fischverarbeitung-in-der-gastronomie-revolutioniert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Japan<\/a> in k\u00fchlen, schattigen Gebieten in feuchten B\u00f6den und Kiesbetten in und entlang von flie\u00dfenden Gew\u00e4ssern. Die Ernte des Wurzelstocks (Knolle) ist fr\u00fchestens nach 18 bis 24 Monaten m\u00f6glich, bei PhytonIQ bereits <strong>nach der H\u00e4lfte der Zeit<\/strong>. Wasabi-\u00adBl\u00e4tter und -St\u00e4ngel k\u00f6nnen alle vier Wochen \u00adgeerntet werden.<\/p>\n<p>Simon und Parapatits betonen stets, mit ihrer Indoor-Farm nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft treten zu wollen, sondern zur <strong>Importware<\/strong>, die mittels Containerschiff nach Europa kommt. Der pannonische Wasabi w\u00e4chst hingegen lokal und umweltschonend, ohne Einsatz von \u00adPestiziden und mit Strom aus 100 Prozent \u00aderneuerbaren Energien. Durch das hydroponische Bew\u00e4sserungssystem werden im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft 95 Prozent Wasser und 85 Prozent D\u00fcngemittel eingespart. \u00d6sterreichische Spitzen\u00adk\u00f6che wie <strong>Heinz Reitbauer (\u00bbSteirereck\u00ab), Lukas Kienbauer (\u00bbLukas Restaurant\u00ab &amp; \u00bbLukas Izakaya\u00ab), Karl und Rudolf Obauer (Restaurant &amp; Hotel \u00bbObauer\u00ab), Alois Traint (\u00bbShiki\u00ab) und Uwe Machreich (Restaurant \u00ad\u00bbTriad\u00ab)<\/strong> sind bereits \u00fcberzeugt.<\/p>\n<h2 class=\"p4\"><span class=\"s1\">Heimisch und doch fremd<\/span><\/h2>\n<p class=\"p2\">Wir bleiben im <a href=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/newsbeitrag\/burgenland-tourismus-freut-sich-ueber-staerksten-saisonauftakt-aller-zeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burgenland<\/a>. 2022 \u00fcbernahmen <strong>Sabrina Leitner und Kevin Wagner<\/strong> von \u00bb<a href=\"https:\/\/unsersojahaus.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unser Sojahaus<\/a>\u00ab die <strong>Tofu-Manufaktur<\/strong> von Shu-Chen Chuang und damit auch Felder mit <strong>Taglilien<\/strong>, die die Taiwanesin in Roten<span class=\"s2\">turm an der Pinka kultiviert hat. Die spezielle,<\/span> in Taiwan beheimatete <strong>Speiselilienart<\/strong> gilt in Asien als Delikatesse. Die Ernte der Knospen ist auf wenige Wochen im Sommer beschr\u00e4nkt und erfolgt, bevor die Taglilien f\u00fcr einen Tag im Jahr ihre Bl\u00fcten \u00f6ffnen. Leitner und Wagner legen die Taglilien in einer salzigen und einer leicht s\u00fc\u00dfen Essigmarinade ein und lassen sie bis Herbst im Glas reifen, ehe sie in den Verkauf kommen. Zu den Abnehmern geh\u00f6rt unter anderem das Asia-Restaurant \u00bbYaoyao\u00ab in Salzburg. Das <strong>Wiener Sternerestaurant \u00bbTian\u00ab<\/strong> bezieht wiederum einmal im Jahr rund 40 bis 60 Kilogramm frische Lilienknospen, die in einem eigenen, sauren Einlegefond konserviert und als Komponente des Brotgangs \u00bbSeinerzeit\u00ab serviert werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-53659\" src=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Lilien_10_cAndrea-Rath-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p2\">Fern\u00f6stliches w\u00e4chst auch bei <strong>Samuel M\u00fcller<\/strong> in Steinmaur in der N\u00e4he von Z\u00fcrich. Bereits vor \u00fcber zehn Jahren begann sein Vater mit dem Anbau von <strong>Ingwer<\/strong>. Heute betr\u00e4gt die Anbaufl\u00e4che in ungeheizten Gew\u00e4chsh\u00e4usern rund 70 Aren (0,7 Hektar). Der Ertrag ist mit der Zeit von 280 Kilogramm auf 15 Tonnen pro Jahr angestiegen. Die H\u00e4lfte wird frisch verkauft, die andere zu Direktsaft gepresst und der Trester zu Gew\u00fcrzen verarbeitet. Neben der Gastronomie und der Lebensmittelbranche ist vor allem die Heilmittelindustrie an der exotischen Knolle interessiert. Der Anbau, erkl\u00e4rt M\u00fcller, sei heikel, die Ernte und das S\u00e4ubern der frischen Wurzeln arbeitsintensiv und nur von Hand m\u00f6glich. Boden, Luftfeuchtigkeit und Temperatur m\u00fcssen \u00fcber die lange Anbauzeit von April bis Dezember ideal sein. Mittlerweile habe man den Dreh aber raus. Wichtig seien nun vor allem Aspekte wie Wirtschaftlichkeit und Vermarktung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Auch <strong>Bio-Bauer Alfred Grand<\/strong> pflanzt in seinem Grand Garten im nieder\u00f6sterreichischen Absdorf neben klassischem Gem\u00fcse Exoten wie Ingwer, Kurkuma, Chayote, \u00adShiso, Thai-Basilikum und Quilqui\u00f1a an.<\/p>\n<p class=\"p1\">Gerade bei <strong>exotischen Kr\u00e4utern<\/strong> sei die Herausforderung weniger der Anbau als vielmehr der Verkauf. Grand, der sein Gem\u00fcse auch im Abo an Endkonsument:innen liefert, f\u00e4llt die Zusammenarbeit mit der Gastronomie hier wesentlich leichter. \u00bbExoten sind deshalb ein spannendes Thema, weil der Markt immer mehr auf Qualit\u00e4t setzt. \u00adNat\u00fcrlich lassen sie sich anderswo billiger oder mit weniger Aufwand produzieren als in \u00d6sterreich, aber wenn es um den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck oder eine bessere Nachvollziehbarkeit hinsichtlich des Pflanzenschutzes geht, sind Importe f\u00fcr viele nicht mehr vertretbar. Die Preisthematik r\u00fcckt in den Hintergrund.\u00ab F\u00f6rderlich f\u00fcr den Anbau sei nat\u00fcrlich auch der <strong>Klimawandel<\/strong>. \u00bbAls Marktg\u00e4rtnerei setzen wir auf Vielfalt. Mit den Exoten k\u00f6nnen wir uns von anderen Betrieben abheben. Die Gastronomie sucht nach Nischenprodukten. Sie sind in der Regel nicht die Umsatzbringer, machen unsere Arbeit als Landwirt:innen aber interessanter, weil wir ausprobieren k\u00f6nnen, was alles m\u00f6glich ist.\u00ab<\/p>\n<h2 class=\"p1\"><span class=\"s1\">Vom Trend zur Tatsache<\/span><\/h2>\n<p class=\"p3\">Die <strong>Ern\u00e4hrungswissenschaftlerin und Trendforscherin Hanni R\u00fctzler<\/strong> hat bereits 2022 in ihrem Food Report den Trend zu \u00bbLocal Exotics\u00ab ausgerufen. \u00dcberlegungen heimischer Produzent:innen, ihr Sortiment zu erweitern und neue Wege einzuschlagen, habe sich schon vorher abgezeichnet, wurden durch die Pandemie, die Lockdowns und der damit einhergehenden Sehnsucht der Konsu\u00adment:innen nach exotischen Lebensmitteln befeuert. Was also gestern noch utopisch klang, ist heute landwirtschaftliche Realit\u00e4t: Reis aus dem Weinviertel (\u00d6sterReis), der S\u00fcdsteiermark (SteirerReis by Fuchs) und neuerdings auch aus Linum im Nordwesten von Berlin (Natur konkret), Oliven von den Wachauer Weinterrassen (Wachauer Olive), Quinoa vom Wagram (Queenoa) und aus Deitingen im Schweizer Kanton Solothurn (St\u00fcdi), Safran aus Franken (Str\u00f6hlershof) und Goji-Beeren aus Benken in St. Gallen (R\u00e4ss Wildbeeren). Die Liste lie\u00dfe sich endlos fortsetzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-53660\" src=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.falstaff.com\/profi\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Frischer-Stielmangold-im-Winter_GRAND-GARTEN-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\">Seine Zitrusfr\u00fcchte w\u00fcrde <strong>Bio-Zitronenbauer Michael Ceron<\/strong> allerdings nicht mehr als Exoten bezeichnen, schlie\u00dflich habe er sie in den vergangenen 33 Jahren in seinem \u00adZitrusgarten am K\u00e4rntner Faaker See voll etabliert \u2013 wohlgemerkt als Topfpflanzen, die indoor \u00fcberwintert werden m\u00fcssen. F\u00fcr eine Auspflanzung sind die Winter in Europa (noch) nicht mild genug. \u00bbWir haben eine \u00adIndoor-Plantage, in der die Zitrusgew\u00e4chse allerdings schon im Mutterboden wachsen. Das ist Voraussetzung f\u00fcr unsere Bio-Zertifizierung.\u00ab Auf 4.000 Quadratmetern kultiviert Ceron \u00fcber 280 Arten von Zitrusfr\u00fcchten aus aller Welt. Der Gro\u00dfteil wird selbst verarbeitet. \u00bbWir arbeiten nur mit drei K\u00f6chen zusammen, die unsere Bio-Fr\u00fcchte perfekt verarbeiten k\u00f6nnen und uns immer wie der neue Erkenntnisse liefern: Hubert Wallner, J\u00fcrgen Perlinger vom \u203aWarmbaderhof\u2039 und Marco Serri vom Ristorante \u203aTerra Sarda\u2039.\u00ab<\/p>\n<p class=\"p1\">In Zukunft, so glaubt Ceron, werden sich in \u00d6sterreich <strong>neue Gebiete f\u00fcr den \u00adZitrus-Anbau<\/strong> erschlie\u00dfen. \u00bbIn der S\u00fcdsteiermark oder im Burgenland w\u00e4re Yuzu vermutlich schon jetzt m\u00f6glich. Die Temperaturen d\u00fcrfen nicht unter 0\u00b0 Grad fallen. Bis zu dieser Grenze haben beispielweise Mandarinen, Klementinen, Orangen und Bitterorangen kein Problem. Aber klar, l\u00e4nger anhaltende W\u00e4rme wie in Sizilien oder Andalusien ist auch f\u00fcr unsere B\u00e4ume in Mitteleuropa und <strong>f\u00fcr den Fruchtansatz von Vorteil<\/strong>. Wie mild die Winter werden, wird sich zeigen. Es gibt schon jetzt Regionen, in denen es in manchen Jahren keine Minusgrade mehr gab. Hier bei uns, neben den Bergen, wird es allerdings noch einige Zeit dauern, bis wir im Freien auspflanzen k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heimische Landwirtschaft reagiert auf Klimaver\u00e4nderungen mit dem Anbau von Obst, Gem\u00fcse und Getreide ferner L\u00e4nder. 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