Ein Lied erzählt von einem Land

Katharina Stadler, 10.12.2018

Wer die Herkunft des Weihnachtsliedes ent­decken will, muss sich von der Stadt Salzburg abwenden. »Stille Nacht« entstand in den Dörfern auf dem Land und bei den einfachen Leuten.

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Im Wagrainer Stille-Nacht-Museum im Pflegerschlössl lädt eine lange Holzwand zur Erkundung ein. Entlang einer Zeitleiste befinden sich beleuchtete Symbole. Berührt man sie mit der Fingerkuppe, erhält man Informationen über wichtige Daten der Geschichte Wagrains, etwa dass 1818 »Stille Nacht« erstmals erklang. Und eigentlich ist das falsch. Denn »Stille Nacht« wurde ja in Oberndorf uraufgeführt, nachdem Joseph Mohr den Text zwei Jahre zuvor in Maria­pfarr im Lungau gedichtet hatte. Und erst fast zwanzig Jahre später sollte Joseph Mohr als Vikar nach Wagrain kommen – dazwischen war er in Kuchl, Golling, Vigaun, ­Anthering, Eugendorf, Hof und Hintersee. Doch so falsch ist die Verbindung der Ur-aufführung mit den Wagrainern auch wieder nicht, denn sie halten den Textdichter seit Jahrzehnten in hohen Ehren: Sie haben die Volksschule nach ihm benannt, und seit sechzig Jahren veranstalten sie alle Jahre wieder ein weihnachtliches Joseph-Mohr-Gedächtnissingen. Und obwohl es jetzt ein eigenes Stille-Nacht-Museum gibt, war dem Wirken Joseph Mohrs bereits davor, seit 1994, im als Mu­seum geführten Waggerl Haus ein Raum gewidmet. Die Halleiner tun es den Wagrainern übrigens gleich. Dort wird 2018 ein Stille-Nacht-Museum eröffnet, obgleich Komponist Franz Xaver Gruber erst siebzehn Jahre nach der Uraufführung des berühmten Liedes dort Chorregent und Organist werden sollte. Und Hallein war für Franz Xaver Gruber, was Wagrain für Joseph Mohr war: der Ort des längsten Wirkens sowie seines Todes.

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