ICONOMY: Design-Icons unter 100 mit Patricia Urquiola

Manfred Gram, 21.07.2025

Patricia Urquiola lässt Drachen nicht fliegen, sondern schweben – als Regal. Ihr »Kite Shelf« für Kartell ist Poesie aus Plastik: leicht, geometrisch, radikal reduziert. Eine modulare Skulptur, die Räume neu denkt.

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Will man einen Drachen verlässlich steigen lassen, braucht es üblicherweise ordentlich Wind – oder eben Patricia Urquiola, die das Kunststück voll­bringt, ihre Drachen nicht in die Luft, sondern an die Wand zu bringen. »Kite Shelf«, Drachen-Regal, nennt die Stardesignerin das Er­gebnis, das sie für Kartell entworfen hat. Und dieses »Kite Shelf« ist, man darf es ungestraft behaupten, ein kleines Meisterwerk poetischen Designs geworden. Mit einem Höchstmaß an Reduktion, das nichts dem Zufall überlässt, hat Urquiola ein Objekt geschaffen, das eine überraschende, fast schwerelose Präsenz im Raum entwickelt. Trotz – oder gerade wegen – seiner klaren Geometrie wirkt das Regal wie ein schwebendes Fragment, beinahe wie ein Gedankenfetzen, der sich mate­rialisiert hat. Ob transparent oder durchgefärbt – das Regal interagiert mit Licht und Perspektive und scheint sich dabei je nach Blick­winkel zu verändern. Es entsteht ein subtiles Spiel mit der Wahr­nehmung, mit Fläche und Raum. Nicht zuletzt, da das geo­metrische Gittermuster – ein wiederkehrendes Motiv in Urquiolas Werk – durch Lichtbrechungen dyna­mische Schattenspiele erzeugt. Die Form des Regals basiert dabei auf dem oberen Teil eines rechtwinkligen Deltoids und wird von Urquiola zu einer Art Mini-Skulptur aus widerstandsfähigem Polycarbonat und thermoplastischem Technopolymer transformiert. Das sorgt bei aller Leichtig­keit des Entwurfs für strukturelle Stabilität und verleiht dem Regal jene un­verwechselbare Aura zwischen Funktion und Poesie.

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