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HELLA Architektur Club: 2024 ist die Sternstunde von Architekt:innen

Die Zins- und Rohstoffrallye der letzten Monate stellt die Bauwirtschaft aktuell vor große Herausforderungen. Inwiefern wird die Krise das Bauwesen und die Architektur verändern? Am Mittwoch, 17. Jänner traf sich im Ballhaus Vienna eine hochkarätige Runde auf Einladung des HELLA Architektur Clubs, um Chancen und Notwendigkeiten der Krise auszuloten. Die gute Nachricht: Das Licht am Ende des Tunnels nimmt Gestalt an.

23.01.2024 - By Verena Schweiger

Titelbild: Das Podium der Auftaktveranstaltung 2024 war hochkarätig besetzt, es diskutierten (v.l.n.r.): Christoph M. Achammer (Vorstandsvorsitzender ATP Architekten Ingenieure), Thomas Winkler (CEO UBM Development AG), Gastgeber Andreas Kraler (geschäftsführender Gesellschafter von HELLA), Moderator Rainer Nowak (Kronen Zeitung), Daniel Riedl (Vorstandsmitglied Vonovia SE)

Die Berggasse verbindet man in Wien gemeinhin mit Sigmund Freud. Dort wohnte und praktizierte der Vater der Psychoanalyse, dort nahmen seine Patient:innen auf der berühmten Couch Platz, und bis heute ist sie die Adresse des Sigmund Freud-Museums. Ein paar Häuser weiter, im Vienna Ballhaus, lud am Mittwochabend Andreas Kraler, geschäftsführender Gesellschafter von HELLA Sonnen- und Wetterschutztechnik und Herausgeber Wolfgang Rosam zum HELLA Architektur Club. Die Initiative vernetzt Architekten, Developer sowie Fachpresse und setzt auf diskursiven Wissenstransfer im Bereich Architektur. Thematischer Aufhänger der Auftaktveranstaltung 2024 war die derzeitige Krise der Bauwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Architektur, das Bauwesen und den Spielraum von Innovation und Kreativität in dieser Gemengelage. Der Austragungsort in der Berggasse Nummer fünf war demnach durchaus treffend gewählt. Die Diskussionsrunde unter der Leitung von Rainer Nowak mit den Branchengrößen Christoph M. Achammer, Daniel Riedl und Thomas Winkler hatte einerseits analytische Qualitäten und entfaltete andererseits eine nicht zu leugnende therapeutische Wirkung. Denn so düster, wie man meinen mag, ist die derzeitige Situation nicht. Vielmehr sieht man in der Krise die Chance eines längst überfälligen Aufbruchs.

Bauwirtschaft, quo vadis?

Die aktuelle Lage sei eine Okkasion, eine Branche wachzurütteln, die in Zeiten von Nachhaltigkeitsüberlegungen und Ressourcenknappheit nach wie vor auf 50 % Verschwendung setze, sagte Architekt Christoph M. Achammer zu Beginn und verwies damit auf die rigorosen Einkaufsmodalitäten bei Baustellen und auf die seines Erachtens viel zu hohen Margen des Großhandels. Planung und Bau seien enger zu verschränken, eine Immobilienspekulation sei dringend einzudämmen. Die Immobilie müsse wieder hin zum Image eines funktionalen Wohnraumes und solle nicht weiter reine Finanzanlage sein, so der Architekt. Die Bauwirtschaft solle sich zudem von Individualplanungen lösen und vermehrt auf standardisierte Funktionalität setzen, das Wiener Gründerzeithaus sei das beste Beispiel dafür. Dieses sei weiters ein Beweis dafür, dass eine Standardisierung durchaus ästhetisch ansprechend sein könne, stellte Achammer fest. Einhellig plädierte die Expertenrunde für eine dringend notwendige Digitalisierung beim Bau und in der Bauwirtschaft. Dies betreffe sowohl die täglichen Abläufe auf der Baustelle, als auch Behördenwege, versicherten die Experten. Developer Thomas Winkler, dessen UBM AG vor allem auf nachhaltigen Holzbau setzt, mahnte zur seriellen Fertigungsbauweise, ansonsten sei auch künftig ein qualitativer Wohnbau nicht kostendeckend herzustellen, was mittelfristig zu einer preistreibenden Verknappung führe. »Wir werden in naher Zukunft weit mehr montieren als bauen. Es braucht mehr Standards und weniger Improvisation sowie verkürzte Genehmigungsdauern«, konstatierte Winkler. In dieselbe Kerbe schlug auch Daniel Riedl, Vorstandsmitglied des deutschen Immo-Riesen Vonovia SE, unter dessen Dach mitunter die heimische BUWOG firmiert. »Serielles Bauen und die Zusammenführung von Bau und Planung sind die Zukunft. Für Investoren müssen sich nicht nur die Zinsen, sondern auch weitere Faktoren ändern«, versicherte Riedl. Kommunen müssten eine aktive Rolle einnehmen, Wien sei ein löbliches Beispiel dafür. Dringenden Handlungsbedarf sieht Riedl in der Vereinheitlichung von Bauvorschriften im Hinblick auf kleinteilige Bundesländerregularien.

Herausgeber Wolfgang Rosam (li.) und Andreas Kraler (re.), geschäftsführender Gesellschafter der HELLA Gruppe, luden zum HELLA Architektur-Club in das Ballhaus Vienna.

Rund 60 Branchenexpert:innen und Medienvertreter:innen waren zu der diskursiven Networking-Veranstaltung geladen.

Innnovation, effiziente Grundrisse und Social Communities

Wirtschaftliche Einschränkungen führten nicht zwangsweise zu einer schlechteren Qualität, ist sich Architekt Christoph M. Achammer sicher. Es sei die Sternstunde von Architekt:innen und Ingenieur:innen, die anhand von Innovation Lösungen ausloten würden. »Wir sind heute vielmehr auf Augenhöhe mit dem Auftraggeber, als noch vor einem Jahr, die Krise hat durchaus positive Seiten. Der Stellenwert von Produktentwickler:innen und Designer:innen hat sich zu unseren Gunsten verschoben. Auch die Politik hört vermehrt zu«, stellt Achammer fest. Leistbarer Wohnbau müsse demnach effizienter werden, darin war sich die Branchenrunde einig. »Grundrisse zu straffen, die Wohnflächen zu verkleinern und somit die Preise günstiger zu gestalten, führt zu einem Ausbau und einer Wiedereinführung von Allgemeinflächen wie Gemeinschafts-Eventräumen oder gemeinschaftlich nutzbaren Schmutzräumen für Fahrräder und Co. Verschiedene Funktionen der Wohnung werden dadurch ausgelagert werden«, weiß Daniel Riedl, der diesen Trend auch in qualitativen Mietobjekten in den USA beobachtet. Dies führe zu mehr sozialen Anknüpfungspunkten innerhalb einer Wohnanlage, zu Community Bildung und infolge zu einer geringeren Fluktuation bei den Mieter:innen. » Soziale Nutzungen sind kostenmäßig ab einem gewissen Bauumfang durchaus darstellbar.« Inwiefern diese und weitere Prognosen der Experten eintreffen und in welcher Geschwindigkeit sie ihre Umsetzung in der Praxis finden, werden die kommenden Monate zeigen. Der geballte Unternehmergeist an diesem Abend führte jedenfalls eindrücklich vor Augen, dass Krisen die Möglichkeit eröffnen, langfristige Verbesserungen an strukturellen Rahmenbedingungen und Arbeitsabläufen in Angriff zu nehmen. Man muss die Chancen einzig ergreifen und anpacken. Selbst Nachbar Dr. Freud hätte an einem derart progressiven Zugang seinen Gefallen gefunden.

ES DISKUTIERTEN

Univ.-Prof. Architekt Dipl.-Ing. Christoph M. Achammer, Vorstandsvorsitzender ATP Architekten Ingenieure
Mag. Daniel Riedl, FRICS, Vorstandsmitglied Vonovia SE
Mag. Thomas Winkler, LL.M., CEO UBM Development AG
Moderation: Rainer Nowak, designierter Ressortleiter Wirtschaft, Innen- und Außenpolitik Kronen Zeitung

Weitere Infos finden Sie auf der Unternehmenswebsite von hella.info

Ein prominent besetztes Podium diskutierte über die Chancen und Herausforderungen der derzeitigen Bau- und Immobilienkrise: Moderator Rainer Nowak, Thomas Winkler (UBM), Daniel Riedl (Vonovia) und Christoph Achammer (ATP) (v.l.n.r.).

Thomas Winkler (li.) und Daniel Riedl (re.) mahnten beide zu einem höheren Digitalisierungsgrad in der Baubranche und sind überzeugt, dass die Zukunft des Bauens in der seriellen Fertigung liegt.

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