© Helle Mardahl

Helle Mardahl: »Ich mag unvollkommen perfekte Dinge«

Ihre farbenfrohen, organischen Glasobjekte sehen wie Süßigkeiten aus. Fast möchte man in sie hineinbeißen. Kein Wunder, dass Helle Mardahl mit ihren originellen Entwürfen zu den Shootingstars der dänischen Designszene zählt. Sie machen einfach gute Laune.

21.09.2023 - By Karin Cerny

LIVING  Sie wollten ursprünglich einen Süßwarenladen eröffnen. Was hat Sie daran begeistert? 

HELLE MARDAHL Das ist der Traum eines jeden Kindes, die Aromen, Farben und Gerüche. Alles darin wirkte faszinierend und erstaunlich. Als ich anfing, mit Glas zu arbeiten, ähnelte das Material dem Herstellungsprozess von Bonbontropfen. Man hantiert mit einer heißen Masse und formt sie zu einem organischen Ding. Und am Ende hat man ein glänzendes Stück, das essbar aussieht. Es ist ein so zartes und köstliches Material, in das ich mich völlig verliebt habe.

Wie wichtig sind die Farben?

Alle unsere Farben sind nach einem unverwechselbaren Geschmack benannt – einem karamellisierten Apfel, einer roten Kirsche oder einer frisch gepflückten Pflaume. Die organische Form und die glänzende Oberfläche tragen zum sinnlichen Erlebnis bei. Die Idee ist, dass man die Stücke fühlen, anfassen und anschauen möchte – und dass sie fast zum Verzehr geeignet sind!

Sie sollen also vielseitig einsetzbar sein?

Das ist die Grundphilosophie unserer Marke: Funktionalität und Ästhetik zu vereinen. Unsere Glasstücke sollen den Alltag schöner machen, sei es für das Müsli am Morgen oder das Licht auf dem Nachttisch. Es handelt sich um mundgeblasene Objekte, die betrachtet, aber auf jeden Fall auch genutzt werden sollten.  

Was fasziniert Sie am Material?

Glas hat seine eigene Sprache – es ist weich und doch hart, warm und doch kalt, zerbrechlich und doch robust, langsam und doch sehr schnell. Es ist so lebendig und organisch. Ich
mag seltsame und unvollkommen perfekte Dinge, deshalb arbeite ich lange daran, dass es nicht zu süß oder zu perfekt aussieht.

Skandinavisches Design hat eine lange Tradition. Wie setzen Sie sich damit auseinander? 

Ich denke, dass einige der besten Designklassiker der Geschichte aus Skandinavien stammen. Das ist zu einem so stolzen Teil unserer Ästhetik geworden, dass jahrzehntelang versucht wurde, die Klassiker nachzubilden, anstatt neue Klassiker zu schaffen. Wir hatten viele Grau-/Beige-Jahre, aber ich glaube, wir befinden uns jetzt mitten in einer Zeit, in der die Menschen es wagen, die Norm herauszufordern, aufzufallen und originell zu sein. Wir schätzen die Einzigartigkeit immer mehr und sind zu wählerischeren Verbraucher:innen geworden, die hohe Ansprüche an die Handwerkskunst und Qualität eines Produkts stellen. 

Was macht der Norden besser, dass es so viele Designer:innen gibt?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt auf der ganzen Welt so viele weibliche Talente. Unser Unternehmen besteht nur aus Frauen – und ich finde es cool, das sagen zu können. 

Kreative Formen und eine unverkennbare Farbzusammenstellung sind ihre Markenzeichen.

© Helle Mardahl

Das fantasievolle Kreativ-Universum von Helle Mardahl lädt zum Träumen ein.

© Helle Mardahl

Prost in Pastell Helle Mardahl mit einem ihrer Entwürfe: »Bon Bon« Cocktail ist eine zuckersüße Interpretation eines klassischen Cocktailglases. hellemardahl.com

Erschienen in:

Falstaff LIVING Nr. 06/2023

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