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Im Talk mit Künstlerin Maruša Sagadin

Die in Wien lebende Künstlerin Maruša Sagadin hat gerade in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt eine Ausstellung mit fantasievollen Skulpturen zum Verweilen kreiert.

14.05.2024 - By Karin Cerny

Titelbild: Maruša Sagadin ist eine slowenisch-österreichische Künstlerin, die stark von der Architektur und ihren Ein- und Ausschlussmechanismen geprägt arbeitet. sagadin.at

LIVING Was interessiert Sie als Kunstschaffende an öffentlichen Sitzgelegenheiten?

MARUŠA SAGADIN Meine künstlerische Arbeit beinhaltet oft den Charakter des Benutzbaren. Es sind skulpturale Objekte, die man als Bars, Tische, Bänke verwenden kann. Meine regelmäßigen Beobachtungen der Stadträume und der Architektur inspirieren mich dazu. Dabei interessiert mich sowohl der öffentliche als auch der Ausstellungsraum – und wie wir uns darin aufhalten können ohne zu viele Einschränkungen. Im öffentlichen Raum gibt es immer weniger Orte, an denen wir nichts konsumieren müssen. Spannend ist auch die Frage: Wie kann sich die individuelle Kontemplation eines Ausstellungsraumes mit der sozialen Konversation des Öffentlichen austauschen und vermischen?

Warum sind Parkbänke wichtig für eine funktionierende Gesellschaft?

Ich glaube stark an eine Öffentlichkeit, in der wir uns begegnen können. Und dafür brauchen wir Orte – es können Treppen, Plätze, Bänke oder Brunnen sein. Auch undefinierte Räume, die erst durch Zufälle verwendet oder entwendet werden. 

Wie könnten utopische Parkbänke Ihrer Meinung nach aussehen?

Sie sollen lang sein, möglichst breit, bunt, am besten etwas geschützt vor Einblicken.

Ihre ausgestellten Bänke sind nicht nur Orte zum Verweilen, sie erzählen auch spielerisch-subversiv Geschichten und sollen zum Nachdenken anregen. Das Modell »Doris« etwa erinnert stark an die Form eines weiblichen Körpers …

Alle Arbeiten tragen Titel, die Erzählungen innehaben: »Stress in Texas« oder »Schlechte Laune ohne Kiosk und Küche«. Sie spielen einerseits auf den Wunsch an, den öffentlichen Raum zu aktivieren, aber auch auf die Architekturgeschichte und deren Säulen-Rangordnungen und auf die soziale Komponente dieser Infrastrukturen, die ja immer auch aus- oder einschließen.

Wie wichtig ist Humor für Ihre Arbeit?

Die Ausstellung in der Schirn Kunsthalle mit dem Titel »Luv Birds in toten Winkeln« beschäftigt sich mit dem öffentlichen Raum und wie dieser auch für Intimitäten und Unbeobachtetes genutzt werden kann. Es gibt Säulen, die fragmentarische Körperteile wie Nasen, Zungen und Bäuche tragen. Die Arbeit »Schlechter Witz« soll an eine Straßenlaterne erinnern, aber es hängen fünf gelbe Birnen daran. Mir ist wichtig, meine kritischen Überlegungen zum öffentlichen Raum nicht mit zu viel Anstrengung und Härte zu vermitteln.

Was erzählen Ihre Bänke über Geschlechterrollenbilder?

Meine Objekte werden von Körperteilen wie Brüsten, aber auch High Heels und ornamentalen Architekturfragmenten wie Voluten und Säulenbäuchen getragen. Das verwendete Material ist pigmentierter Beton, der nicht verrückbar ist. Als Lehnen dienen Herzen, Lippenstifte und Halsketten. Alle Arbeiten werden mit Accessoires behangen. Meine Bänke sind untragbar und unerträglich.

Bank mit Stiefeln: Schuhe dienen als Stützen: Skulptur aus der Ausstellung »Luv Birds in toten Winkeln« in Frankfurt. schirn.de

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Erschienen in:

Falstaff LIVING 03/2024

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