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Angelika Rosam trifft Nao Tamura

Ob für Artek, Nike, Wonderglass oder Issey Miyake – die japanische Designerin Nao Tamura ­verfügt mit ihren internationalen Kooperationen über ein breites Spektrum an Projekten und teilt interessante Ansichten. Das LIVING-Herausgeberin Angelika Rosam traf die Desginerin anlässlich des Salone del Mobile in Mailand.

15.05.2023 - By Angelika Rosam

Das Talent für außergewöhnliches Design wurde Nao Tamura bereits in die Wiege gelegt: Die Großmutter entwarf Mode, die Mutter reüssiert als Innenarchitektin, der Vater als Industriedesigner. Sie selbst machte sich das Studium an der Parsons School of Design in New York zum Ziel und gründete in Tokio ihr eigenes Planungsbüro, das kurz darauf nach Brooklyn verlegte wurde. Ästhetik, Innovation und Nachhaltigkeit hat die zurückhaltende Japanerin zu ihrem Credo erkoren und verweist stets auf von der Natur inspirierte Unikate. Wir trafen sie im »Mandarin Oriental«, Mailand, zum Interview.

Living-Interview Zeit für ein angeregtes Treffen im »Mandarin Oriental« in Mailand: die japanische Designerin Nao Tamura und LIVING-Chefin A. Rosam. Tamuras Talent umfasst Kulturen, Sprachen, Disziplinen und Stile, wobei aufschlussreiche und durchdachte Konzepte im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen.

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LIVING Beim Salone mit eigenen Designprodukten mitzuwirken, ist sicher eine Herausforderung. Welche Botschaft wollten Sie mit Ihren Objekten vermitteln?

NAO TAMURA Nun, seit COVID haben sich viele Dinge auf der Welt verändert und ich persönlich war neugierig, was tatsächlich der Salone Neues offeriert – ein Ort, der stets eine schnelle Massenproduktion in Weltraumgeschwindigkeit darstellt. Es gibt so viele Produkte auf der Messe und ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die sich fragt, ob wir wirklich so viel davon und ob wir überhaupt eine Messe brauchen. Dennoch bin ich mir sicher, dass jeder froh ist, zurück zu sein und die Menschen in ihrem Tun aufzuwecken. Ich für meinen Teil habe nun Stücke entworfen, die langlebiger sind, nachhaltiger, und habe damit versucht, einen konstruktiven Beitrag für die Natur und die Umwelt zu leisten.

Was meinen Sie mit Ihrer Aussage, dass wir nicht mehr so viele Dinge und vielleicht sogar keine Messe mehr benötigen? 

Es geht um das Gleichgewicht, so wie wir als Menschen in der Natur das Gleichgewicht halten und akzeptieren müssen, was passiert. Quasi mit der Natur eine Koexistenz eingehen und diese mit all ihren Auswirkungen im realen Leben zulassen. Ich bin der Meinung, dass wir durch die Pandemie auf das Notwendigste reduziert wurden, was total in Ordnung ist. Man braucht nicht mehr, und aufgrund der Intensität der sozialen Medien steht nun die persönliche Expertise an oberster Stelle. Denn das ist das Einzige, was du in der digi-talen Welt nicht bekommen kannst. Und so macht der Salone auch nur dann Sinn, wenn wir ihn persönlich erleben und nicht nur auf Instagram vor die Nase gehalten bekommen.

Ihre Arbeit basiert auf dem Konzept der Natur. Gab es dafür ein besonderes Erlebnis? 

Ich glaube, in Japan aufzuwachsen, hat einen großen Einfluss auf mich gehabt. Japan war stets von vielen Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Taifunen geprägt. Im selben Atemzug schätzen wir aber die Natur, haben einen großen Respekt davor und feiern die Jahreszeiten. Die Natur dort hat also sehr viel mit mir selbst zu tun, sodass sie zu einem Manifest meiner Schöpfungen wurde. Außerdem ist sie die universelle Sprache, die ich mit allen Menschen auf diesem Planeten -teilen kann.

Das Licht spielt in Ihrem Leben und Schaffen eine große Rolle. Was bedeutet es für Sie als Person? 

Ich mag das Licht und entwerfe viele Produkte, die damit zu tun haben. Das geht von Kameras über Hightech-Tools bis zum Lampendesign. Licht hat für mich die perfekte Balance zwischen Funktion und Emotion. Licht muss man fühlen können und es beherrscht in all seinen Facetten einen Raum – im positiven wie im negativen Sinn. Ist das Licht schlecht, ist der Raum tot. Denn Licht ist ein Symbol des Lebens und der Hoffnung.

Sehen Sie sich mehr als Künstlerin oder als Designerin? 

Ich bezeichne mich selbst nicht als Künstlerin, ich möchte einfach nur etwas schaffen, das emotional ist. Stücke, die sich dem Hier und Jetzt anpassen, aber dennoch für die Ewigkeit sind. Das ist meine Intention in einer sehr männlich dominierten Designwelt.

Präzise Handwerkskunst Die »TURN«-Kollektion macht keine Kompromisse bei der Materialauswahl. Sie besteht aus Teilen, die aus drei verschiedenen Metallen gefertigt sind: Messing, Edelstahl und Aluminium. naotamura.com

© Alberto Bernasconi

Erschienen in:

Falstaff LIVING Nr. 03/2023

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