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Onka Allmayer-Beck: »Meine Keramik-Objekte sind Persönlichkeiten«

Im Atelier der Wiener Keramik-Künstlerin geht es meist heiß her. Denn der Brennofen läuft Dank reger internationaler Ausstellungstätigkeit in Dauerschleife.

25.05.2023 - By Verena Schweiger

Etwas versteckt und doch inmitten der Wiener Innenstadt arbeitet Onka Allmayer-Beck. Die Fenster ihres Ateliers mit der klingenden Adresse »Stoß im Himmel« sind meist geöffnet. Denn der Brennofen, der durchaus für warme Temperaturen sorgt, ist fleißig im Einsatz. Beim Besuch von LIVING bereitet die Keramik-Künstlerin gerade eine Ausstellung in Berlin vor. Ursprünglich studierte die gebürtige Wienerin Modedesign an der renommierten Central Saint Martins Universität in London. Nach dem Abschluss als Womenswear-Designer machte Onka Allmayer-Beck zuerst in der Modebranche Karriere. Nach Stellen bei Carol Christian Poell, Strenesse und Armani, sagte sie der schnelllebigen Fashion-Branche jedoch leise »adieu«, widmete sich der Keramik-Kunst und kehrte 2015 in ihre Heimatstadt Wien zurück.

LIVING: Nach Jahren im High-Fashionbereich haben Sie in die Keramik-Kunst gewechselt. Wie kam es dazu?
Onka Allmayer-Beck: Keramik hat mich immer interessiert. Die Arbeit in der Modebranche wurde mir irgendwann zu industriell. Ich wusste jedoch, es muss eine Arbeit mit den Händen sein. Nachdem ich die Abdankung von Papst Benedikt im Fernsehen gesehen habe, dachte ich, »es reicht auch bei mir«. Von der Abfindung habe ich eine Drehscheibe und einen Brenn-Ofen gekauft, einen Maestro in Mailand gesucht, ohne zu wissen, ob der Plan auch aufgeht.

Wie haben Sie in der Keramik als freischaffende Künstlerin Fuß gefasst?
Über einen langjährigen Freund, der damals für das österreichische Außenministerium Kulturattaché in Moskau war, kam ich nach Abramzewo. In dem russischen Dorf lernte ich die Aufbautechnik, mit der ich auch heute noch arbeite. Ich habe Objekte gemacht, ohne Kunden zu haben, einfach, was mir Spaß macht, ohne Einschränkungen und Vorgaben. Mit Instagram hat das sofort abgehoben und eine Eigendynamik entwickelt. Dieses Medium ist nach wie vor für mich ein wichtiger Kommunikations- und Verkaufskanal für mich.

Haben Förderprogramme zu Beginn geholfen?
Es gibt schon einige gute Förderungen, gerade habe ich auch eine Residency in Georgien gewonnen, wohin ich im Sommer nach meinen Ausstellungen in Berlin, Ibiza und Salzburg gehen werde. Aber der Förder-Dschungel ist für Kreative und Künstler:innen nicht immer einfach zu durchblicken. Was allerdings sehr geholfen hat, ist der Zusammenhalt unter Gleichgesinnten, die ebenso Risken eingehen und mit viel Herzblut agieren, wie das Studio Comploj oder Felix Muhrhofer. Mit ihnen besteht ein reger Austausch. Man inspiriert sich gegenseitig und spornt sich an. Das finde ich sehr schön!

Deine Werke haben einen hohen Wiedererkennungswert und eine dynamische Form.
Ja, danke, ich hatte das Glück, rasch eine eigene, sehr starke Formensprache zu finden. Die Objekte sehen ein bisschen so aus, als wären sie in der Bewegung eingefroren. Das ist auch der Unterschied zu meiner Arbeit als Modedesignerin, wo ich angestellt war und die Vision von einer Marke umgesetzt habe. Die Arbeit mit Keramik bin vor allem ich. Ich glaube manchmal auch, dass meine Keramik-Persönlichkeiten nachts herumlaufen. Auch meine Käufer berichten davon. (Lacht)

Zwischen Kunsthandwerk und Kunst wird in Österreich stark unterschieden. Wie stehen Sie dazu?
Anders als in England, wo »crafts« traditionellerweise zwischen Handwerk, Kunsthandwerk und Kunst ganz natürlich oszilliert, gibt es in Österreich diese getrennte Kategorisierung. Das Wort »Kunsthandwerk« wird hierzulande oftmals abwertend gebraucht. Ich verorte mich jenseits dieser Labels, ich mache sowohl Kunsthandwerk als auch Kunst und Handwerk, habe eine Design-Galerie und stelle auf Kunstmessen aus. Der Grundgedanke, was ich mit meinen Händen mache, kommt vom Handwerk. Allerdings habe ich eine zeitgenössische Ausbildung, komme aus dem Design und habe einen frischen Blick darauf. Aber es freut mich, wenn ich das Töpfern ein bisschen salonfähiger gemacht habe.

Ist die Kritiksucht eine österreichische Eigenschaft?
Ich beginne erst jetzt vermehrt in Österreich zu verkaufen. Zu Beginn habe ich meine Werke vor allem ins Ausland verkauft, nach Mailand, London und Paris. Auch die ersten Ausstellungen fanden nicht in Österreich statt. Es ist schon ein wenig österreichisch erstmals alles blöd zu finden, dabei hätten wir durch die reiche österreichische Design-Geschichte die Edukation in uns. Es wäre schön, wenn wir die Eigenarten des Landes mehr schätzen würden.

Keramikkünstlerin Onka Allmayer-Beck mit ihrem 300. gebrannten Exponat.

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Während der Ausstellungsvorbereitung lagern viele Werke im Atelier.

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Jeder Platz wird genutzt.

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Hündin »Knurrli« ist immer mit dabei.

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