Der Rücktritt des »Noma«-Chefs entfacht die Diskussion um Arbeitsbedingungen in der Spitzengastronomie.
© Amy Tang
Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter: »Noma«-Chef René Redzepi tritt zurück
Einer der bekanntesten Köche der Welt zieht Konsequenzen: Nach schweren Vorwürfen legt René Redzepi seine Funktion als Küchenchef nieder. Die Anschuldigungen werfen erneut ein Schlaglicht auf den Umgangston in Spitzenküchen.
von Brigitte Radl
13. März 2026
René Redzepi, Mitgründer und langjähriger Küchenchef des Kopenhagener Spitzenrestaurants »Noma«, hat nach Berichten über Gewalt und Mobbing in der Küche seinen Rücktritt angekündigt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video wandte sich der Koch an seine Mitarbeiter und erklärte, er übernehme Verantwortung für die Situation.
»Es tut mir leid, dass ihr alle in dieser Situation seid«, sagt Redzepi in dem Video. »Ich habe daran gearbeitet, ein besserer Chef zu sein.« Eine Entschuldigung allein reiche jedoch nicht. Aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um seine Person halte er es für notwendig, sich aus seiner Rolle zurückzuziehen.
Ehemalige Mitarbeiter berichten von Gewalt
Auslöser für den Schritt waren Berichte ehemaliger Mitarbeiter, die in »The New York Times« veröffentlicht wurden. Darin schildern frühere Köche und Angestellte Vorfälle aus den Jahren 2009 bis 2017, in denen Redzepi Mitarbeiter körperlich und verbal angegriffen haben soll. Laut den Berichten reichen die Vorwürfe von Beschimpfungen und Demütigungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. Einzelne ehemalige Angestellte schilderten auch Drohungen, mit denen ihnen berufliche Nachteile innerhalb der internationalen Gastronomieszene angedroht worden sein sollen.
Wiederkehrende Debatte über Arbeitskultur
Die Vorwürfe gegen Redzepi sind nicht die ersten kritischen Stimmen zu Arbeitsbedingungen in Spitzenküchen. Bereits 2015 hatte der Koch öffentlich eingeräumt, früher ein extrem harter Vorgesetzter gewesen zu sein. Das »Noma« gilt als eines der einflussreichsten Restaurants der Welt und hat maßgeblich dazu beigetragen, die nordische Küche international bekannt zu machen. Der Betrieb in Kopenhagen wurde 2003 gegründet und ist heute mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.
Der Rücktritt des prominenten Küchenchefs dürfte die Diskussion über Führungsstil, Arbeitsbedingungen und Hierarchien in der Spitzengastronomie erneut anfachen – ein Thema, das auch viele Betriebe in Europa seit Jahren beschäftigt.
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