Analyse: Der Weinjahrgang 2018

Othmar Kiem, Peter Moser, Ulrich Sautter, 08.03.2019

Der Jahrgang 2018 brachte weltweit Wein in Hülle und Fülle. Falstaff gibt einen Überblick, wie sich die wichtigsten Länder im Einzelnen geschlagen haben.

Werbung

Wer nach dem Jahrgang 2003 dachte, dass Hitze und Trockenheit in den nördlichen Breiten des deutschen Weinbaus nicht mehr zu steigern seien, wurde 2018 eines Besseren belehrt: Im Sommer purzelten reihenweise die Temperaturrekorde. Da die Hitze von extremer Trockenheit und auch von warmen, zusätzlich austrocknenden Winden begleitet war, hatten die Winzer jedoch noch Anfang August Sorgenfalten auf der Stirn. Wenige Wochen später aber strahlten sie vor Freude: Denn zum einen reichten die Flüssigkeits­reserven, um die Vegetation aufrechtzuerhalten und die Trauben reif werden zu lassen – einzig Jungfelder mussten hier und da bewässert werden. Und zum anderen wurde 2018 am Ende auch ein außerordentlich ertragreicher Jahrgang. Dazu trug vor allem bei, dass die Winzer am Ende des Winters mit Blick auf die 2017 erlittenen Frostschäden etwas großzügiger angeschnitten hatten. Viel und gut – das ist natürlich des Winzers Traum. Dazu kommt im Jahrgang 2018 auch noch ein ausgezeich­neter Gesundheitszustand der Trauben. Wo Botrytis erwünscht ist – etwa für edelsüße Spitzenweine von der Mosel und aus dem Rheingau –, kam sie im Herbst 2018 spät und war ausgesprochen hochwertig. Zahlreiche Betriebe konnten alle Prädikate bis zur Trockenbeerenauslese einbringen. Bei allem Vorschusslorbeer sollte man indes auch die 2018er nicht wahllos kaufen. Denn die Kombination aus hohen Erträgen, tiefen Säure- und hohen Alkoholwerten ist ein zweischneidiges Schwert. Von größter Wichtigkeit war der Lesezeitpunkt. Wer zu lange gewartet hat, hat weiche und breite Weine im Keller. Wer zu früh gelesen hat, musste eine kritische Phenolreife in Kauf nehmen und hat trotzdem viel Alkohol. Immerhin ist eines klar: Seit 2003 haben die Winzer enorm dazugelernt, um auch in einem warmen Jahr den Lesezeitpunkt exakt zu treffen. Und exakt, das hieß 2018 in den südlichen Anbaugebieten: Lesebeginn Ende August. Danach ging alles sehr schnell. Anfang Oktober war selbst in den nördlichen Regionen die Lese vorbei. Der Gewinner des Jahrgang scheint der Riesling zu sein, der seine Säure gut halten konnte. Erste Proben zeigen Weine, die zwar durchaus die erwartbar breiten Schultern besitzen. Dennoch haben sie Balance und strahlen Frische und Langlebigkeit aus.

Weiterlesen

Werbung