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Das Ritual des Aperitivo ist in Italien ein ganz selbstverständlicher Bestandteil des Lebens und nahezu in der DNA der Menschen verankert. Und der Auftakt zu einem schönen Abend soll so sein wie eine Ouvertüre für eine klassische Ballade. Der Aperitivo (vom Lateinischen »aperire« – öffnen) »öffnet« den Appetit (vom Lateinischen »appetitus« – Verlangen). Was hier vielleicht durch die Herkunft so nüchtern klingt, ist in Wirklichkeit eine sehr angenehme und ganz unaufwendige Form der Geselligkeit. Man hält inne, trifft sich mit Freunden, genießt feine Getränke und dazu kleine Köstlichkeiten, die nicht dazu gedacht sind, zu sättigen, sondern eben die Lust auf mehr anzuregen. Das schöne alte Wort »Gaumenkitzler« wäre vielleicht angebracht, immerhin werden in vielen italienischen Bars oft nicht nur Chips oder Nüsse zum Apéro serviert. Die Arbeit des Tages ist geschafft, und es ist Zeit für kühle Drinks, die von kleinen, unkomplizierten Gerichten begleitet werden. Die Italiener sind jedenfalls Apéro-Weltmeister, und die »blaue Stunde« ist Pflicht im Sehnsuchtsland des Südens. Wer beispielsweise durch die Mailänder Bars flaniert, spürt, dass hier der Campari daheim ist. Der Erfinder des roten Bitterlikörs, Gaspare Campari, kreierte 1860 in Mailand das Getränk aus über 60 Ingredienzen. Chinin, Orangenschalen, Rhabarber, Ginseng und Granatapfel sind nur einige davon, die dem berühmten Getränk den unverwechselbaren Geschmack geben. Einer der herrlichsten Aperitivi und gleichsam auch seit Langem der Inbegriff italienischer Lebensart wurde in Florenz erfunden. Ein italienischer Graf kehrte 1919 von seiner Abenteuerreise aus den USA zurück in die Stadt Michelangelos, in der damals gerade ein anderes Getränk groß in Mode war: der »Americano«. Diese Mixtur aus Campari, süßem Wermut und Sodawasser war dem Grafen, der Stärkeres gewohnt war, einfach zu schwach, und so kreierte der Barmann seiner Stamm-Bar »Casoni« für ihn eine kräftigere Variante aus Campari, Wermut und Gin. Der Drink wurde ein voller Erfolg. Der Name des Grafen? Camillo Negroni. Der Name des Cocktails? Natürlich »Negroni«.
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