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Rodrigo Pérez besitzt eine kleine Bar in einem winzigen Dorf im Norden Andalusiens. Es gibt Tapas, ein paar Weine, Sherry, und es gibt Brandy. Den trinken manche Stammgäste schon am Vormittag – zum Frühstück. Wenn Pérez selbst den einen oder anderen Brandy gekippt hat, erzählt er gerne die reichlich skurrile Geschichte über die angebliche Geburtsstunde des spanischen Brandy. Sie soll sich in einer Zeit zugetragen haben, in der die Spanier große Mengen an Weingeist nach Holland verschifften, wo er als Rohstoff für Liköre und Schnäpse verwendet wurde. Eines schönen Tages soll einer der holländischen Abnehmer einen größeren Auftrag überraschend storniert haben. Und weil die Spanier nicht wussten, wohin mit dem vielen Alkohol, schütteten sie ihn aus purer Verlegenheit in Fässer, in denen zuvor Sherry gelagert worden war. Dort blieb er auch über Jahre und geriet so in Vergessenheit. Bis ihn irgendwann jemand zufällig entdeckte und feststellte, dass die ungewollte Reifung in den Sherry-Fässern aus dem hochprozentigen Stoff eine Spirituose gemacht hatte, die richtig aromatisch, weich und samtig schmeckte. Von dieser Geschichte existieren heute mehrere Varianten, was wirklich wahr daran ist, weiß vermutlich niemand, doch Leute wie Pérez erzählen die Anekdote gerne. »Ich glaube daran«, sagt er und grinst, »das ist so typisch für die Spanier. Jedenfalls ist der Brandy heute ein Teil unserer Identität, so wie Cognac für die Franzosen.« Und er wurde zu einem guten Geschäft. Spanien hat die längste Brandy-Tradition Europas und ist heute der größte Brandy-Produzent der Welt. Allein Andalusiens Spirituosengigant Osborne verkauft im Jahr neben Sherry rund zehn Millionen Liter Brandy. Tendenz steigend.
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