In Deutschland zeigen sich kulinarisch drastische Unterschiede: Sternereichtum im Südwesten, Sternearmut im Nordosten.

Essay: Luthers Schuld?

Christoph Teuner, 19.11.2017

Ein Blick auf die kulinarische Landkarte Deutschlands zeigt ein dramatisches Gefälle. Gerade im Lutherjahr stellt sich die Frage: Ist protestantische Lustverzichtslehre die Wurzel des Übels?

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Da steht er, der hagere protestantisch-ostdeutsche Verzichtsbürger und Trockenbrotesser und schaut ihn mit verkniffenem Honecker-Mund an, den rotwangigen badischen Katholiken, der fröhlich frisst, sich das Katholikenbäuchlein streichelt und auf eine reiche Landschaft blickt, in der schon Römer Wein tranken. Überzeichnetes Bild? Ja. Aber es spiegelt die Dinge wider, so wie sie sind. Baden-Württemberg: 83 Michelin-Sterne. Bayern: 60. Macht 143. Beim Blick in die neuen Länder schaudert es den Gourmet. Sachsen-Anhalt ist kulinarische Wüste, null Sterne. Brandenburg und Thüringen haben je zwei. Mecklenburg-Vorpommern (neun) und Sachsen (acht) können den Gerneesser-GAU nicht verhindern. Im Südwesten ein Stern auf 165.000 Einwohner, im Nordosten einer auf 600.000. Auweia!

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