Essay: Wie Grünkohl Karriere machte

Philipp Elsbrock, 20.03.2019

Es ist nur wenige Jahrhunderte her, da war Hummer ein Arme-Leute-Essen. Heute zählt es als Luxusgut. Wie kommt es, dass manche Lebensmittel so rasant aufsteigen?

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Oh Gott, nein, bitte nicht schon wieder Hummer! Einen solchen Ausruf hörte man zu Kolonialzeiten an der amerikanischen Ostküste häufiger. Experten des Bundesstaats Maine zufolge ließen sich Hausangestellte sogar einen Passus in ihren Vertrag schreiben, der lautete: Maximal dreimal pro Woche Hummer als Mahlzeit. Ja, Sie haben richtig gelesen: Das, was wir heute teuer in guten Restaurants bezahlen, galt vor wenigen Jahrhunderten als Arme-Leute-Essen und kam den verknechteten Arbeitern wieder aus den Ohren he­­­r­aus. In Schottland existieren historische Rezepte für Hummer über Torffeuer, sagt der deutsche Biologe Andreas Scharbert, was ebenfalls auf die Arbeiterklasse hin­deutet, die sich eine einfache Mahlzeit zubereitete. Wie kann sich der Wert eines Lebensmittels so fundamental wandeln? Essen war in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit nur die kürzeste Zeit dafür da, um satt zu werden. Seit sich menschliche Kultur entwickelt hat, erfüllt es immer auch eine soziale Funktion. Am Essen lässt sich nicht nur der Bildungsstand ablesen, sondern erst recht das Einkommen und der soziale Status. Du bist, was du isst – der alte Spruch ist aktueller denn je.

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