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»Raus mit dem unnützen Zeug!« Als ich Joško Gravner Anfang der 1990er-Jahre zum ersten Mal besuchte, warf er gerade die Stahltanks aus seinem Keller. »Stahl taugt nicht zum Weinmachen. Damit lässt sich kein großer Wein erzeugen«, meinte Gravner lapidar. Eichenholz müsse es sein, am besten französisches, und je kleiner, desto besser, war er damals überzeugt. Joško Gravner ist ein Charakterkopf, halbe Sachen gibt es bei ihm nicht. Aber Gravner ist auch ein Suchender. Einige Jahre später, bei einer Reise nach Georgien, wurde er fündig. Warum, so fragte er sich, nicht Wein ausbauen, wie es über Tausende von Jahren Usus war, auf vollkommen natürliche Art? Er ließ sich Amphoren aus Georgien kommen und baute fortan seine Weine darin aus. Dafür werden die Trauben gerebelt und auf den Schalen vergoren. Von den Schalen bekommen die Weine Aromen, aber auch Tannin. Geruchs- und Geschmacksbild dieser Weine sind ungewohnt. Nicht nur die dunkle Farbe irritiert, die Weine duften nach Nüssen, Gewürzen und Honig, am Gaumen fällt der Gerbstoff auf. Gravners Weine sind nicht jedermanns Sache. Es sind Weine mit Charakter, wie sein Schöpfer. Gravner sitzt in Oslavia, auf einem Bergrücken, der von San Floriano nach Gorizia führt. Der Großteil der Winzer hier hat slowenische Wurzeln, besitzt Weingärten hüben wie drüben und spricht Slowenisch. Unter der Führung von Joško Gravner bildeten sie bereits in den 1990er-Jahren eine eigenständige Gruppe, die als Oslavia Boys bekannt wurde. Heute arbeitet jeder wieder für sich, zu sehr sind sie Individualisten. Gemeinsam aber ist ihnen, dass sie mit ihren Weinen nach neuen Dimensionen suchen. Sie setzen vorwiegend auf Ribolla Gialla, die in Oslavia besonders gut gedeiht, und lange Mazeration. Auf Mazeration setzen auch Primosic und Prinčič in Oslavia oder Damijan Podversic unten in Gorizia. Roberto Felluga leitet gleich zwei bekannte Betriebe: die Kellerei Marco Felluga in Gradisca und das kleine, aber feine Weingut Russiz Superiore in den Hügeln hinter Capriva. Von Russiz Superiore genießt man einen atemberaubenden Ausblick auf den slowenischen Teil des Collio. Im einem alten Gebäude wurden gediegene Zimmer eingerichtet, ein idealer Standpunkt für Erkundungen des Gebiets. Unter dem Wohnhaus befindet sich ein alter Steinkeller, in dem die Weine reifen. Von Pinot Bianco und Sauvignon Blanc erzeugt Roberto Felluga auch eine feine Riserva, die immer erst nach einigen Jahren Lagerung auf den Markt kommt. Weniger Kilometer Richtung Capriva befindet sich die Villa Russiz. Das Anwesen fiel nach dem Ersten Weltkrieg an den italienischen Staat, der aus den weitläufigen Räumlichkeiten eine Stiftung zur Unterstützung und Förderung von Waisen machte. Diese Aufgabe hat die Villa Russiz auch heute noch. Finanziert wird der Betrieb hauptsächlich von den Weinen, die auf 35 Hektar wachsen. Die Weine der Villa Russiz zählen zu den besten im Collio. Der hervorragende Chardonnay Gräfin de la Tour erinnert an die alten Besitzer.
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