Herbststimmung über der Beaujolais-Spitzenlage Côte de Brouilly.

Götterdämmerung im Beaujolais

Ulrich Sautter, 15.11.2016

Das Beaujolais steht vor einer Zeitenwende: Einst eine Quelle für harmlos fruchtigen Tischwein, besinnen sich die Winzer inzwischen auf die Terroir-Qualitäten der Weinberge. Und keltern Rote völlig neuer Identität: Weine mit der Sinnlichkeit eines Burgunders und der Mineralität eines Weins von der nördlichen Rhône.

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Als sich der Vorhang hebt, steht eine Rebe aus Plastik auf der Bühne. Ihre mit ­speckig glänzenden Plastikblättern besetzten Ruten winken mechanisch hin und her, und eine piepsende Frauenstimme lockt: »Komm’ und lies’ mich! Meine Trauben sind reif.« Die Aufforderung gilt einem ebenfalls aus Kunststoff gefertigten Winzer, der lebensgroß und im Sonntagsstaat gewandet auf der anderen Seite der Bühne an einem Holztisch sitzt – und der unter wiegenden Bewegungen seines Kopfs zu einer Rede über die Mühen des Winzerberufs ansetzt, während die Ruten des Rebstocks reglos erstarren.

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