Günther Jauch

Günther Jauch feiert zehnjähriges Winzer-Jubiläum

Manfred Klimek, 28.09.2020

Der Moderator, Weinguts-Besitzer und Gastronom zieht im Exklusiv-Gespräch mit Falstaff Bilanz über seine erste Dekade im Weingut von Othegraven an der Saar.

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Falstaff: Sie sind jetzt zehn Jahre Eigentümer des Weinguts »von Othegraven« an der Saar. Sind Sie im Weingut und in der Weinbranche angekommen? Günther Jauch: Im Juli waren es zehn Jahre, verhandelt haben wir aber schon Monate davor. Ich hatte damals noch die große politische Talkshow bei der ARD und wusste anfangs nicht, wie ich das alles zeitmäßig hinbekomme. Aber es ging dann doch, wie sie sehen. Also ja: angekommen. Und ist alles so gekommen, wie Sie erwartet haben? Ja. Hmm. (längere Pause) Und nein. Wir wussten, dass wir uns auf ein großes Abenteuer einlassen. Schlichtweg schon deshalb, weil meine Frau und ich damals so gar keine Ahnung von Wein hatten. Gar keine? Wir haben ab und zu in einem Restaurant einen Wein bestellt. Das war's aber auch schon. Was waren die größten Probleme auf Othegraven? Was wir unterschätzt haben war, wie sehr das Weingut ökonomisch noch in vergangenen Zeiten feststeckte. Die Arbeitsabläufe im Keller waren umständlich, es gab keinen Raum, Flaschen auch mal länger zu lagern und das ganze Gutshaus versprühte noch den Charme seiner Bauzeit. Ich war fasziniert davon, dass das Weingut noch genauso aussah, wie ich es 1968, als Zwölfjähriger, das letzte Mal gesehen hatte. Aber mit dieser Faszination gelingt kein ökonomischer Neustart ins 21. Jahrhundert. Wir dachten auch: Wenn wir uns da jetzt mit vollem Engagement reinstürzen, läuft es bald von ganz alleine. Nur ist das aber in der Weinwelt gerade nicht so. Weingüter sind wie Supertanker: Wenn der mal Fahrt aufgenommen hat, kann der im offenen Meer auch nicht so schnell wieder wenden. Das braucht Zeit. Was war entbehrlich? Ganz zu Beginn kamen neunmalkluge Unternehmensberater, die uns erklärten, dass wir den Namen des Weinguts auf »Weingut Jauch« ändern und das Etikett mit dem Wer-wird-Millionär-Siegel versehen sollten, um den Wein dann »Millionärswein« zu nennen. Wurden diese Leute nicht gleich wieder hinauskomplimentiert? Ja, wurden sie. Und was war unentbehrlich? Das ins Detail gehen. Das Ausarbeiten längerfristiger Konzepte. Ich gebe ein Beispiel: Wir haben damals nach der Übernahme nur sehr wenig Kabinettweine verkauft. Was verwunderlich war, denn Kabinettweine, mit ihre leichten Süße und dem Spiel mit Säure, sind ja Weine, die fast ausschließlich mit Mosel und Saar in Verbindung gebracht werden. So haben wir uns zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr fünfzig Prozent mehr Kabinettweine zu verkaufen, haben an den Schrauben gedreht und das hat auch geklappt. Gerade hat einer unserer Kabinettweine auch die Auszeichnung als bester Kabinett Deutschlands bekommen. Und der zweite ist nach Egon Müller auf Platz 3 gelandet. Das hat uns sehr gefreut, aber über Nacht geht sowas eben nicht.

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