Gut gekaut ist halb verdaut

Marlies Gruber, 22.01.2019

Es zählt zu den grundlegenden Regeln beim Essen: gut kauen, nicht schlingen! Wer hat das nicht in seiner Kindheit oftmals gehört? Lass dir Zeit! Aber warum?

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Jeder, der schon einmal eine F.X.-Mayr-Kur gemacht hat, kennt das: Jeden Bissen gründlich kauen und einspeicheln, bevor man ihn schluckt. So macht sogar eine Semmel mit etwas Milch richtig satt. Sie zu verputzen dauert nämlich eine halbe Ewigkeit im Gegensatz zur üblichen Hektik. Und das ist auch schon ein Clou an der Sache: die Zeit. Schließlich setzt das Sättigungsgefühl erst etwa 15 bis 20 Minuten, nachdem wir zu essen begonnen haben, ein. Isst man hastig, hat man in einer Viertelstunde bereits viele Kalorien intus, die für ein Sättigungsgefühl gar nicht nötig gewesen wären. Lässt man sich hingegen Zeit, spürt man sogar eher, wann es reicht. Die Sättigungssignale gehen ans Gehirn. Langsam-Esser essen daher oft auch weniger als Schnell-Esser. Und Langsam-Esser zählen oft auch zu jenen Menschen, die es verstehen, zu genießen. Nicht nur dass sie sich mehr Zeit zum Essen nehmen, sie kosten es im wahrsten Sinne des Wortes mehr aus. Sie konzentrieren sich auf den Duft, den Geschmack, die Textur, die Synergien der einzelnen Komponenten oder der flüssigen Begleitung. Sie stellen ihre Sinne »scharf« und erfreuen sich am Gaumenspiel weitaus mehr als an der schlichten Menge. Durch das mehrmalige Kauen werden die Speisen auch gründlicher zerkleinert und mit dem Speichel vermischt. Damit ergibt sich die Chance, besser hinzuschmecken. Denn in der Wechselwirkung mit dem Speichel lösen sich schon manche Nahrungsbausteine auf, die dann andere Geschmackskomponenten aufweisen. So schmeckt die Semmel nach vielem Kauen eindeutig süßer. Das liegt daran, dass das stärkeabbauende Enzym Amylase im Speichel bereits die Semmel in Arbeit nimmt und die Stärke beginnt, sich in einzelne Zuckerbausteine zu zergliedern. Außerdem machen die Schleimstoffe im Speichel die Bissen erst richtig schlüpfrig und damit schluckfähig. Etwa 0,5 bis 1,5 Liter Speichel produzieren wir pro Tag, je nach Wasserstand im Körper. Trinkt man zu wenig, werden Mund und Rachen schnell trocken. Das spart einerseits Wasser ein, andererseits führt es zum Durstgefühl, und daraufhin wird im Regelfall das Flüssigkeitsmanko ausgeglichen.

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