Martin Paminger brennt ­seinen »Sauwald Wodka« aus Sauwald-Erdäpfeln in St. Aegidi.

Hoamat-Trank aus Oberösterreich

Roland Graf, 25.04.2019

Wenig hat sich am Trink­verhalten geändert, seit Franz ­Stelzhamer dichtete »Ünsa Traubn hoaßt Hopfn, ünsan Wein nennt ma Most«. Nur Oberösterreichs ­Brände müsste man heute mit aufnehmen.

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Stelzhamers »Hoamatgsang«, aus dem 1952 die einzige im Dialekt gesungene Landeshymne entstand, gibt auch gleich den Grund für die Liebe zu Bier und Most an: »Mit der Noat hat’s koan Gefahr«. Hochdeutsch ausgedrückt: Im Gegensatz zum Wein war der bäuerliche Most nicht vom Wetter gefährdet, es gab ihn jedes Jahr. Ja, der Weinbau war lange heimisch an der Donau, »erst mit der Zwischen-Eiszeit verschwanden die Trauben aus den Katasterlisten«, hat Leonhard Gmeiner recherchiert. Denn der Solartechniker hat in Perg diese Tradition wiederaufgenommen – und Oberösterreichs ersten Eintrag in die Liste der SALON-Weine geschafft. Der Flurname seiner Rieden, Weinzierl, erinnert an die Winzer-Tradition, verkosten kann man im modernen Weinkompetenzzentrum die Weine Gmeiners und seiner Kollegen aus Oberösterreich. Einer von ihnen ist Bernhard Aichinger, der bei Eferding seine Weine keltert – mit leichten 11 Vol.- % kommen etwa Gelber Muskateller und Rheinriesling aus dem Paradebetrieb, der auch im Heurigen »Zum Weinblick« auftischt – unter anderem selbstgemachtes Brot und Apfelsäfte. Was uns wieder zurück zu Franz Stelzhamer führt, denn laut dem Heimatdichter sollte »a kräftige Kost« immer von Most begleitet werden. Eine leichte Variante, den Tagesfang aus dem eigenen Fischwasser, kann man sich in der Most-Verkostung (von der Grünen Winawitz-Birne bis zum Cider) bei Erich Aumüller in der »Donautaler Mostkellerei« schmecken lassen. In Obermühl serviert der Mostsommelier Fisch zum oberösterreichischen Nationalgetränk. Mögen die Oberösterreicher anno 2019 auch leichter essen, den Most schätzen sich noch immer mehr als alle anderen: 35 Liter pro Kopf und Jahr sind es (gegenüber mickrigen 1,28 Liter Bundes-schnitt). Das Rohmaterial liefern 110.000 Tonnen Obst von den 1,2 Millionen Streuobstbäumen des Landes, die traditio­nell von Birnensorten (70 Prozent der Mostfrucht) dominiert werden. 400 Betriebe vermarkten ihren Most auch, als »Haustrunk« findet man ihn bei noch mehr Bauernhöfen vor. Einen Einblick in das Bauernleben gibt das 600 Jahre alte »Sacherl«, der letzte Stadtbauernhof in Enns, den Karin und Robert Maleninsky liebevoll restauriert haben. Ursprünglich Imker, servieren sie im »Hof Maleninsky« neben der Laurenz-Basilika Moste und die erfrischend perlende Variante »Mosecco«. Nur in Oberösterreich gibt es etwa das Gütesiegel »Most & Kost« für die besten Mostschank-Betriebe. Andreas und Christine Mosers Radlerbauernhof in Mitterkirchen ist einer davon und dem Namen entsprechend lassen sich hier ­direkt am Donauradweg nicht nur die landschaftlichen, sondern auch die lukullischen Schönheiten des Landes erleben (zumal auf Most-Freunde auch Gästezimmer warten).

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