Die typische Verteilung: in der Ebene Getreide, am Hang der Wein. Im Jahr 2018 litt der Weizen deutlich mehr unter der Trockenheit als die Reben.

Jahrgang 2018: Ein Spitzenjahr mit Fragezeichen

Ulrich Sautter, 27.12.2018

Brachte der Rekordsommer 2018 auch einen Jahrhundertjahrgang? Auch wenn es für eine Beurteilung noch zu früh ist: Vermutlich wird der Jahrgang janusgesichtiger, als man im ersten Moment glaubt.

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»Was für ein exzellen­tes Jahr«, schwärmt Udo Lützkendorf aus Bad Kösen an der Saale – ein Winzer also, der ziemlich genau auf dem 51. Breitengrad lebt, der oft als nördliche Grenze für den Weinbau genannt wird. »Ich lese Ihnen einmal ­unsere aktuellen Mostgewichte vor: Blauer Zweigelt 100 Grad, Spätburgunder 120 Grad, ­Portugieser 130 Grad, Dunkelfelder 100 Grad, Weißburgunder 113 Grad, Silvaner 110 Grad, Traminer 115 Grad, Riesling 113 Grad. Nichts unter 100! Und alles reine Natur!« Der 81-Jährige hat in seinem Leben viele Ernten gesehen, aber der Jahrgang 2018 stellt alles in den Schatten. Udo Lützkendorfs Sohn Uwe, der den ostdeutschen Weinbaubetrieb schon 1996 in den VDP brachte, also in Rekordzeit nach der Wende, sieht das Ganze etwas ­differenzierter: »Mein Vater ist ganz stolz dieses Jahr, aber es hat natürlich alles eine Kehrseite. Nach Pfingsten 2018 hatten wir drei Monate keinen Regen. Unsere Reben in Karsdorf sind 1992 gepflanzt, die waren mit ihren tiefen Wurzeln gut versorgt und blieben satt dunkelgrün bis zur Lese. Aber man konnte trotzdem nicht beliebig früh lesen. Wenn man sich Mitte August die Kerne angeschaut hat, dann waren die nicht reif. Wer da schon die Silvaner und Portugieser runtergenommen hat mit 80 oder 85 Oechsle – also meiner Meinung nach kannste das vergessen. 2018 war ein Jahrgang für Leute, die was können. Es wird Spitzenweine geben – aber bestimmt auch Betriebe, die ein Riesenproblem mit ihren Weinen haben. Wer die Moste hau ruck in drei Tagen vergoren hat, der hat kein Aroma mehr und dafür diesen enormen Alkohol.«

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