Magie des Geschmacks: Die Farben und Gerüche der Gewürzbasare sind bis heute eine Reminiszenz an die Raffinesse, die der Orient in die Küche des Westens eingebracht hat.

Kardamom, Safran & Co: Gierig nach Gewürzen

Roland Graf, 24.10.2022

Ob auf Karawanenstraßen oder im lukrativen Schiffshandel importiert: Arabien war jahrhundertlang die Drehscheibe des – anfangs reichlich schmalen – Gewürzangebotes der europäischen Nationalküchen.

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Eineinhalb Tonnen Pfeffer sind eine äußerst ungewöhnliche Lösegeld-Forderung. Doch die Geisel, die Alarich im Jahre 410 n. Chr. verwahrte, war schließlich auch keine alltägliche. Und so ist dem Bericht über den Goten-Sturm auf die antike Weltmetropole auch die Information zu verdanken, dass Germanen wie Römer offenbar den Pfeffer sehr liebten. Erst wenige Jahrzehnte – die Forschung nennt das erste Jahrhundert – kannte man allerdings im Westen die von der indischen Malabarküste stammende Pflanze. Von dort übernahm man auch das Hindi-Wort »pippali« als Namenswurzel des römischen »piper«. Auch der byzantinische Herrscher Konstantin VII. Porphyrogennetos (913-959) soll eine Schwäche für Oliven, blanchierte Lorbeerblätter und – nicht weiter spezifizierte – indische Kräuter gehabt haben. Der Handel mit Gewürzen ist aber weit älter als der germanische Hunger nach Pfeffer oder die kaiserliche Koriander-Liebe.

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