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Moritz Haidle kichert. Ja, ja, das sei schon richtig, dass er die Weinwelt früher für spießig gehalten habe. Aber halt früher, als Teenie. Heute ist Haidle 31 und hat sich noch ein gerüttelt Maß an Jugendlichkeit bewahrt. Trotzdem ist er kein zorniger junger Mann mehr. »Als Teenager«, setzt der Remstäler zu einer Erklärung an, die ihm ganz offenkundig wichtig ist, »hatte ich das Gefühl, dass es bei meinen Gleichaltrigen nur um Traktoren geht. Und dass es für Leute, die mit Wein zu tun haben, grundsätzlich gar keine anderen Interessen gibt. Das würde ich heute nicht mehr so sehen. Wenn man sich trifft, dann geht’s natürlich nur um Wein und manchmal« – da ist es wieder, das mitreißende Haidle’sche Kichern – »auch tatsächlich nur um Traktoren, aber das liegt dann natürlich an der Situation. Privat haben die alle auch noch ein anderes Leben, seien das jetzt Winzer, Händler oder Weinliebhaber.« Bei seiner Nominierung im Herbst 2018 hatte Haidle im Falstaff-Interview gesagt, dass die Initialzündung für ihn durch Paul und Sebastian Fürst kam. Als der junge Haidle seinem Vater zuliebe ein Praktikum in Bürgstadt machte, da habe es klick gemacht und er habe die Faszination von Wein verstanden. Die Fürsts selbst setzen, wenn man sie darauf anspricht, den Akzent ein klein wenig anders: »Bei uns hat der Moritz das Arbeiten gelernt.« Die Schnittmenge aus beiden Aussagen liegt darin, dass der Jungwinzer wider Willen in Churfrankens namhaftestem Familienbetrieb die Freude an der Arbeit entdeckt hat – und gemerkt hat, dass einem das Weinmachen fast ebenso viel kreativen Gestaltungsspielraum lässt wie das Graffitisprayen. Was folgte, ist ein fast schon konventioneller Ausbildungsweg: Auslandsaufenthalte in Australien, Kalifornien und im Burgund, Lehre bei Thomas Seeger in Baden, Studium in Geisenheim. In die Ränge der Newcomer-Kandidaten schob sich Haidle dann seit der Betriebsübernahme vor fünf Jahren, weil seine Rieslinge mit ihrer Eleganz aufhorchen ließen und seine Lemberger mit einer knackigen Frische und kompromisslosen Stoffigkeit, die dem Stettener in Württembergs beileibe nicht schwach besetzter Avantgarde einen Ausnahmerang garantieren. Dass er den Titel von der Falstaff-Jury schließlich zugesprochen bekam, freute Haidle riesig, wenngleich er eigentlich glaubt, dass »die beiden anderen Kandidaten es mehr verdient gehabt hätten. Weil die ja ihr Weingut tatsächlich selbst aufgebaut haben.« Haidle wiederum hat etwas geschafft, was auch nicht so ganz leicht ist: Er hat im Weingut seiner Familie, das zuletzt ein klein wenig in Routine gefangen zu sein schien, das Ruder herumgerissen, mit Mut, vielleicht auch mit etwas jugendlichem Überschwang – so, wie es unverzichtbar ist, wenn man einen tiefgreifenden Wandel einleiten möchte. Vor allem aber mit immens viel Talent und Stilgefühl.
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