Bodensee mit Alpenpanorama: Der See liegt auf 400 Metern, das Weingut Aufricht 20 Meter höher.

Müller-Thurgau: Über den Wolken

Ulrich Sautter, 14.05.2018

Der Müller-Thurgau gilt als ein harmonischer, aber auch harmloser Tischwein. Doch was passiert, wenn man ihn in der Höhe anbaut? Falstaff lud zur Probe »330 Meter+«.

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Der Müller-Thurgau, sagt Eugen Schmidt, »ist eine schöne Sorte, wenn sie am richtigen Ort steht«. Schmidt kann sich die Einschränkung, die in dieser Aussage steckt, erlauben. Denn er weiß, dass Hattnau, wo er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Müller-Thurgau anbaut, ganz fraglos zu den »richtigen Orten« zählt. Hattnau bei Wasserburg am bayerischen Bodensee dürften die wenigsten Weintrinker auf ihrer önologischen Landkarte markiert haben. Welch ein Fehler! Bei der Falstaff-Blindprobe von Müller-Thurgau-Weinen, die auf mindestens 330 Metern Seehöhe oder höher gewachsen sind, errang Schmidt mit seinen filigranen und dennoch substanzreichen Weinen den ersten und den vierten Platz. Um eine Erklärung ist der Winzer nicht verlegen: »Die Riesling-Komponente des Müller-Thurgau merkt man kaum irgendwo so wie hier bei uns am See.« Dabei lenkt Schmidt etwas von den eigenen Verdiensten ab, die bei diesem Erfolg zweifellos auch eine Rolle spielen. Denn Schmidt hat Riesling-Instinkt an den See gebracht: Anfang der Achtzigerjahre kam er von der Nahe ans bayerische Seeufer und schlug seiner Frau vor, es hier mit Weinbau zu versuchen. Die erfolgreichen Müller-Thurgau-Weine stammen vom ersten Weinberg, den das Ehepaar im Jahr 1984 angelegt hat. Mit viel Geduld ist die damalige Saat nun aufgegangen, das kühle und feuchte Klima am östlichen Bodensee, wo an klaren Tagen schon das Allgäu herüberleuchtet, ist in den immer häufiger auftretenden warmen und trockenen Sommern ein Bonus von unschätzbarem Wert.

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