In Deutschland gab es zwar hohe Ernteausfälle, die gute Witterung im »goldenen Oktober« hat den Winzern jedoch noch ausgezeichneten Wein eingebracht.

Top & Flop: Der Weinjahrgang 2016

Othmar Kiem, Martin Kilchmann, Peter Moser, Ulrich Sautter, 06.03.2017

Ungewöhnliche Wetterphänomene sorgten 2016 ­weltweit für komplexe Rahmenbedingungen und für recht unterschiedliche Ergebnisse. Eine Übersicht.

Werbung

Auch in Deutschland stellte der Jahrgang 2016 die Winzer vor erhebliche Probleme. Zwar blieben die meisten Anbaugebiete von Frostschäden verschont – einzig in Höhen-lagen Frankens, etwa am Steigerwald sowie am Bodensee, waren vereinzelt Schäden zu beklagen, und auch diese eher in Randlagen. Das nasse Frühjahr führte jedoch bereits zur Blüte zu kräftigem Befallsdruck mit Perono-spora (Falscher Mehltau). Öko-Betriebe litten besonders stark, wobei sich erschwerend auswirkte, dass das von den Winzern geschätzte Pflanzenstärkungsmittel Phosphonat von der EU aus der Liste der im Bio-Weinbau zulässigen Behandlungsstoffe gestrichen worden war. Da es auch im Sommer ziemlich feucht blieb – im Juni fiel vielerorts die doppelte Menge des üblichen Regens –, rechneten die Winzer Ende August mit einem Fehljahr. Dann stellte die Witterung den Jahresverlauf jedoch auf den Kopf: Ende Juli, Anfang August setzte trockenes und sonniges Wetter ein – und dies mit einer solchen Wucht, dass mancherorts nun plötzlich die Gefahr von Trockenschäden und Sonnenbrand aufkam. Im September sorgten sonnige Tage und kühle Nächte für ideale Bedingungen, um den Rückstand der Traubenreife aufzuholen. Kleinere Schauer zu Beginn der Lese konnten die Gesundheit der Trauben nicht beeinträchtigen, führten jedoch auf willkommene Weise dazu, dass sich die Versorgung der Reben mit Nährstoffen verbesserte – und das Volumen der Beeren an Größe zunahm. So viel Aktionismus im Sommer vonnöten war, die Lese 2016 war eine der ruhigsten der letzten Jahre. 2016 wird nicht als Jahrgang für edelsüße Spitzenweine in die Annalen eingehen – doch er hat klassisch gebaute trockene Weine und solide fruchtsüße Prädikate hervorgebracht. Möglicherweise wird sich herausstellen, dass späte Lagen und Regionen die besten Weine einkellern konnten – sie profitierten ganz besonders vom goldenen Oktober. Ausgezeichnete Qualitäten melden zum Beispiel die Ahr und der Mittelrhein. Die Mengen liegen vor allem bei den Öko-Winzern empfindlich unter dem langjährigen Mittel. Im konventionellen Weinbau streuen die Resultate kräftig: Die Zahlen reichen von minus zwanzig Prozent bis zu überdurchschnittlichen Mengen.

Weiterlesen

Werbung