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Menschen, die einen Preis gewinnen, zeigen die unterschiedlichsten Reaktionen. Manche sonnen sich im Blitzlicht und verschlingen den Applaus, andere ergreifen das Mikrofon, um etwas zu sagen, was sie schon immer mal loswerden wollten. Manche sind gefasst, andere überrascht, manche ballen eine Faust, andere streichen sich durchs Haar. Als Mathieu Kauffmann am 22. Februar auf Schloss Hugenpoet als Falstaff-»Winzer des Jahres« auf die Bühne gebeten wurde, da war er vor allem eines: sprachlos. An einer Sprachbarriere lag das nicht, Kauffmann beherrscht das Deutsche fließend. Dass er mit den Worten rang, zeigt, wie überwältigt er war. Dann begann er einen Satz, um ihn auch gleich wieder abzubrechen: »Dass ich als Franzose…« Man sah es den Gesichtern im Publikum an: Der geradezu schüchterne Auftritt des genialen Elsässers bahnte sich einen direkten Weg tief in die Herzen. Blenden wir zurück: Anfang der 2010er-Jahre erfuhr der legendäre Pfälzer Kellermeister Hans-Günter Schwarz von einem Münchener Freund, dass der Chef de Cave des namhaften Champagnerhauses Bollinger sich mit dem Gedanken nach Veränderung trage. Schwarz sprach Achim Niederberger an, der in den Jahren zuvor nacheinander die historischen Deidesheimer Weingüter Bassermann-Jordan, von Buhl und Dr. Deinhard erworben hatte. Beim Weingut von Buhl war die Situation besonders: Niederberger übernahm die Eigentümerschaft des Guts, während die Bewirtschaftung des Betriebs noch verpachtet war. 2013 würde dieser Vertrag jedoch enden. Bereits in seinem letzten Lebensjahr – Niederberger verstarb im Juli 2013 – schuf der visionäre Unternehmer Fakten: Er stellte Kauffmann ein und sorgte dafür, dass dieser bereits im Herbst 2013 die volle Verantwortung übernehmen konnte. An Kauffmanns Seite in die Geschäftsführung gelangte kurz darauf der erfahrene Weinjournalist Richard Grosche, der seither die önologische Expertise auf ideale Weise mit klugen strategischen Marketingideen ergänzt. Das Dream-Team für eines der emblematischen Weingüter der Mittelhaardt war geboren. Im ersten Herbst jedoch ging Kauffmann gleich durch ein Säurebad: Nach einem durchwachsenen Sommer hörte es im Herbst nicht auf zu regnen, es brannte allenthalben lichterloh, einen Tag zu früh lesen hieß womöglich Unreife, einen Tag zu spät Fäulnis. Im Falstaff-Interview gestand Kauffmann, dass er in diesen Tagen große Zweifel hatte, ob das Experiment Pfalz für ihn gut ausgehen würde. Doch zum einen fühlten er und seine Familie sich wohl in Deidesheim – »die Lebensqualität ist höher als in Frankreich«. Und zum anderen wurde rasch klar, wie brillant Kauffmann und das ganze Team bei von Buhl den schwierigen Jahrgang gemeistert hatten.
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