Die Leica »L2«

Wir hören das Ticken bei Leica

Alexander Linz, 21.06.2018

Der führende Kamerahersteller wird Uhrmacher. Dr. Andreas Kaufmann, Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender, stellte uns in Wetzlar sein Projekt persönlich vor.

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Es hat schon einmal Versuche gegeben Uhren mit dem Namen Leica am Zifferblatt zu fertigen, doch die waren eher kläglich. Das meinen nicht nur wir, das meint auch Herr Kaufmann. Was jetzt folgt ist auf Augenhöhe mit den weltberühmten Kameras, man hat alles richtig gemacht. Mechanische Kompetenz hat Leica zuhauf, aber keine im Uhrenbau. Das zusammengestellte Team und der Partner zur Fertigung machen dies nun mehr als wett. An der Spitze steht der charismatische Chef. Herr Kaufmann kann begeistern, ist ein Macher, der gute Ruf eilt ihm da voraus. Teamleiter Jérôme Auzanneau stammt von Audemars Piguet, Reinhard Meis war früher Entwickler hochfeiner Uhrwerksmechanismen, unter anderem für A. Lange & Söhne, Achim Heine ist Professor für Produktdesign an der Universität für Künste in Berlin und Markus Lehmann, der Eigentümer der Lehmann Präzision GmbH beheimatet in Hardt bei Schramberg im Schwarzwald. So gerüstet konnte und kann Leica heute Armbanduhren entwickeln und fertigen, die weit mehr als nur Transporteure und Multiplikatoren des Firmenlogos am Handgelenk sind. Die beiden Modelle Leica »L1« und »L2« beherbergen Funktionen die es in der Form noch nicht gegeben hat. Herr Kaufmann erzählte uns, dass er großen Wert auf »Made in Germany« lege und deshalb für ihn nur Markus Lehmann als Partner für die Fertigung in Frage kam, nachdem er gescheitert war den ebenso im Schwarzwald angesiedelten Chronografenhersteller Hanhart in Gütenbach zu kaufen. Rund fünf Millionen Euro hat das Projekt bis dato verschlungen, inklusive der in der Pipeline befindlichen Modelle »L3«, »L4«, »L5« und »L6«. Für Letztere hat sich Herr Kaufmann nochmals Verstärkung ins Boot geholt. Und zwar niemand geringeren als Gerd Rüdiger Lang, den Begründer von Chronoswiss. Lang und Chronoswiss gehören heute nicht mehr zusammen, somit hat der Uhrmachermeister und Chronografenspezialist wieder viel Zeit und Muße. Herr Kaufmann verriet uns bereits, dass ein Armbandwecker mit Anzeigemöglichkeit einer zweiten Zonenzeit in der Pipeline ist und wir vermuten, dass Gerd-Rüdiger Lang einen Chronografen konzipieren wird. Na dann mal los! Ach ja, wer ist Lehmann? Die Lehmann Präzision GmbH fertigt – nomen es omen – Präzisionsmaschinen zur Erzeugung von Kleinteilen für die Uhrenindustrie. Markus Lehmann hat aber auch ein Faible für Uhren selbst und baut seit ein paar Jahren seine eigenen Zeitmesser. Auf sehr hohem Niveau muss man erwähnen, doch tut er sich ob des relativ unbekannten Namens bei Uhrensammlern relativ schwer diese zu verkaufen. Mit Leica wird sich dies nun sprunghaft ändern, so viel ist schon mal gewiss.

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