Zukunftsvisionen für den Weinbau in Georgien

Peter Moser, 12.03.2018

Falstaff-Herausgeber Wolfgang M. Rosam und Wein-Chefredakteur Peter Moser trafen Frederik Paulsen zum Gespräch auf seinem Weingut Château Mukhrani in Georgien.

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FALSTAFF Herr Paulsen, was war Ihre Motivation, hier in Georgien ein solches Weininvestment zu machen? Frederik Paulsen: Das war reiner Zufall. Ich bin hier in Kontakt mit georgischen Geschäftsleuten gestanden, die beiden haben mich eingeladen, als Aktionär zunächst mit fünf Prozent mitzumachen. Schließlich ist das mehr und mehr geworden. Am Ende habe ich achtzig Prozent gekauft. Welche Weine oder Weinstile präferieren Sie persönlich? Meine Lieblingsweine sind ganz eindeutig die weißen Burgunder, das ist klar. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Entwicklung. Man fängt mit Rotwein aus Bordeaux an, dann entdeckt man die weißen Burgunder, und schließlich kommen die roten Burgunder. Was ist Ihre emotionale Beziehung zu Wein? Wein ist etwas Schönes, und wir machen das ja nicht nur hier in Georgien, sondern auch auf Föhr und in Österreich, auch in der Ukraine haben wir es versucht, allerdings ohne großen Erfolg. Wein ist also Ihre Passion? Ich könnte das auch anders erzählen. Wenn in der Antike die römischen Soldaten und Offiziere ihren Militärdienst absolviert hatten, ich denke, das waren so fünfzehn Jahre, dann konnten sie entweder in die Politik einsteigen oder Wein machen. Ich komme nun auch in ein Alter, in dem ich meine Legionärszeit fertig habe, und ich fühle mich beim Wein besser aufgehoben als in der Politik. Könnte man sagen, das Geld verdient man in der Pharmabranche und gibt es in der Weinwirtschaft aus? Sie haben schon recht, dass es viel Geld kostet, aber langfristig muss es sich selber tragen. Man muss sicher eine gewisse Anlaufzeit in Kauf nehmen, dann sollte es aber funktionieren. Wo wollen Sie in fünf bis zehn Jahren mit Château Mukhrani stehen? Ich möchte gerne, dass es für Besucher mit Weinaffinität die Nummer eins in Georgien wird. Mukhrani soll also in jeder Hinsicht die Benchmark für georgischen Wein werden? Das ist das klare Ziel, aber dazu müssen wir das Projekt noch weiter ausbauen, um höhere Einkünfte für zukünftige Investitionen zu erwirtschaften. Vielleicht werden wir ein Hotel bauen, wichtig ist, dass sich die Sache selbst trägt. Wenn man über Geschäfte sprechen will: Ich glaube, Georgien als kleines Land kann nicht vom Tourismus, auch nicht vom Weintourismus leben, Exporte sich absolut essenziell. Für vieles, was früher in die Comecon-Länder gegangen ist, muss man jetzt neue Märkte finden. Welche Länder hat man da im Fokus? Es wird viel von China gesprochen, wo schon einiges hingeht. Ich bin bei China aber skeptisch, denn die bauen intensiv ihre eigene Weinwirtschaft aus. Ich glaube daher immer noch, dass Russland der natürliche Absatzmarkt für georgische Weine ist. Das Verhältnis zwischen Georgien und Russland ist wie das von Deutschland oder Österreich mit Italien. Die Nordeuropäer fahren gerne in den Süden, für die Russen ist Georgien nicht nur das Land, wo die guten Weine herkommen, sondern auch der Ort, wo man auf Urlaub hinfährt. Georgien hat eine positive Anmutung: Da fahren Frauen gerne hin, weil es große, gut aussehende Männer gibt, hier ist es warm, das Meer, Romantik, gutes Essen. Dieses positive Klischee ist tief im russischen Bewusstsein eingewurzelt. Hoffentlich können wir darauf wieder aufbauen, aber das wird nicht einfach.

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