Der Blick ins Blaue: Wohnen am See
Die erste Reihe an Österreichs Seeufern ist seit Jahren heiß begehrt. Der Run auf exklusiven Zugang zum Wasser wird durch die Klimakrise noch verstärkt. Dabei werden nicht nur Seen, sondern auch fließende Gewässer zunehmend attraktiv.
Ende Juni 2026, am Ufer des Ossiacher Sees in Kärnten. Die erste und sicherlich nicht letzte Hitzewelle des Sommers lässt das Thermometer auf 36 Grad steigen. Im Steindorfer Strandbad sind die Schattenplätze schon frühmorgens belegt, die Sonnenplätze leer. Ein Bild, das sich an allen Seen Österreichs wiederholen dürfte. Es ist keine Überraschung: Nachdem schon die Corona-Pandemie einen Run aufs Ländliche erzeugt hat, verstärkt die Klima-krise den Drang nach kühlendem Wasser noch mehr. Das lässt sich unmittelbar am Immobilienmarkt ablesen.
Badefreuden
Teil der Gesamtanlage des Neuen Strands ist neben den Guesthouses eine Marina mit Restaurant und Greißlerei. Der Strandzugang ist gratis.
© Lisa SchulczSAUBER UND KRISENSICHER
Denn Österreich ist nicht nur mit zahlreichen Gewässern gesegnet, diese zeichnen sich auch durch sauberes Wasser und Krisensicherheit aus. Bergseen mit 169 Metern Tiefe wie der Attersee werden auch bei lang anhaltender Dürre nicht verschwinden. Das begrenzte Angebot und die anhaltend hohe Nachfrage lassen die Preise immer weiter steigen. In der Regel sind Ufergrundstücke und Objekte nur diskret und off market zu bekommen, wenige landen
auf den Websites der Makler:innen. Immobilien am Wasser bleiben laut einer im Juni publizierten Marktanalyse von Engel & Völkers die wertstabilsten und begehrtesten Wohnlagen Österreichs. Besonders gefragt sind – wenig überraschend – Objekte mit direktem Zugang zum Gewässer, privatem Steg oder unverbaubarem Ausblick.
Sehr begehrt sind derzeit Immobilien rund um den Zeller See. »Die Kombination aus See, Bergpanorama, Freizeitwert und ganzjähriger Nutzbarkeit macht Zell am See zu einem der attraktivsten Immobilienstandorte im Salzburger Land«, sagt Manuel Riedlsperger, Standortleiter Zell am See und Kooperationspartner von Engel & Völkers. Die Preise für Häuser in Seenähe bewegen sich zwischen drei und sieben Millionen Euro, in Spitzenlagen noch mehr. Die Nähe zum See bleibe der entscheidende Werttreiber der Region, so Riedlsperger. Laut einer im Vorjahr publizierten Analyse von willhaben und Exploreal zahlt man für Neubauten, die weniger als 500 Meter vom Seeufer entfernt liegen, im Schnitt 60 Prozent mehr als für vergleichbare Immobilien in fünf Kilometer Seedistanz.
RUHEND UND FLIESSEND
Auch am Bodensee sind Liegenschaften in den Premiumlagen in und um Bregenz, Lochau und Hard eine begehrte Rarität. »Der Bodensee steht für eine einzigartige Verbindung aus Natur, Lebensqualität und internationalem Flair«, so Richard Jennewein, Geschäftsführer von Engel & Völkers Vorarlberg. Die Preise bewegen sich je nach Lage, Aussicht, Energieeffizienz und Ausstattung zwischen 7.000 und 14.000 Euro pro Quadratmeter, bei hochwertigen Eigentumswohnungen bis zu 17.000 Euro. Für Häuser mit direktem Seezugang oder außergewöhnlichem Panoramablick werden mitunter Kaufpreise im hohen einstelligen bis zweistelligen Millionenbereich erzielt.
Ganz oben bei der Nachfrage stehen seit Jahren der Traun- und der Attersee mit direktem Seezugang oder privatem Bootshaus. Hier werden oft Kaufpreise im zweistelligen Millionenbereich erzielt, entscheidend sind dabei Faktoren wie Mikrolage, Sonnenausrichtung und Bauqualität. Größtes Käufersegment sind vor allem österreichische Unternehmer:innen, Ärzt:innen oder solvente Senior:innen, die hier ihren Lebensabend verbringen möchten. Eigennutzung steht hier im Vordergrund, Buy-to-Let-Modelle sind eher die Ausnahme.
SENSIBEL ANGEPASST
Doch nicht nur ruhende, auch fließende Gewässer werden zunehmend attraktiv, etwa bei städtischen Wohnlagen entlang der Salzach in Salzburg und natürlich an der Donau und der Alten Donau in Wien. Am flachen Neusiedler See geht es zwar klimatisch heißer zu, doch auch hier sind die vereinzelten Uferlagen im Schilfgürtel sehr begehrt. Hier im UNESCO-Welterbe gilt es, besonders behutsam auf den Naturschutz zu achten – ein Beispiel, wie sich Neubauten harmonisch anpassen können, ist der Neue Strand am Seebad Breitenbrunn, der eine frühere Anlage aus den 1970er-Jahren ersetzt.
Die neue Marina mit Bade- und Segelanlagen wurde bereits im Juni 2024 in Betrieb genommen, hier sind seitdem das Restaurant »Libelle«, eine Strandbar und eine Greißlerei angesiedelt. Vorausgegangen war ein Architekturwettbewerb in Abstimmung mit dem Welterbe-Beirat, den das Büro Hoffelner Schmid gewann. Nicht nur die Gestaltung als luftiger Holzbau zeugt von ökologischer Sensibilität, auch die Programmatik: »Wir sind das erste Seebad mit freiem Eintritt. Es wird lediglich eine Parkplatzgebühr für jene Personen geben, die mit dem Pkw anreisen. Mit diesem Eintrittsmodell möchten wir ein Zeichen in Richtung sanften Tourismus setzen sowie eine ökologische und nachhaltige Anreise fördern«, so Esterhazy-Vorstand Matthias Grün zur Eröffnung.
2025 wurde die Marina mit dem BIG SEE Award 2025 in der Kategorie Tourismus und Freizeit ausgezeichnet. Seit Anfang 2026 kann am Neuen Strand auch – rein temporär – gewohnt werden, und zwar in insgesamt 45 Guesthouses für zwei bis sechs Personen direkt am Wasser. Mit Klimaanlage, Wärmepumpe und Photovoltaik ist man hier bereits klimaadaptiv ausgestattet. Denn sehr viel kühler wird es in Zukunft nicht werden an Österreichs Seen.