(c) Lukas Dobry

LUXUS IMMOBILIEN ZUM MIETEN

Mieten, obwohl man sich eigentlich problemlos Eigentum leisten könnte? Ja, das gibt’s – und zwar in letzter Zeit immer öfter. RESIDENCES hat bei Luxusmakler:innen nachgefragt, was an dem Mikrotrend im Topsegment dran ist.

19.12.2023 - By

Header Bild: Oben angekommen Penthouses sind auch als Mietobjekt besonders begehrte Immobilien. Dieses Exemplar verfügt über eine 300 Quadratmeter große Terrasse. marschall.at

Die Meldung sorgte Anfang des Jahres kurzfristig für ein kleines Raunen in der Immobilienbranche. Die renommierte Plattform rentcafe.com, eine Seite für Immobilienvermittlung, veröffentlichte einen Bericht, der zeigt, dass sich in den USA am Mietmarkt momentan einiges verschiebt. 43 Millionen Familien, der höchste Stand seit 50 Jahren, wohnen aktuell in den USA zur Miete, und auch Gutverdiener:in­nen, die eigentlich in der Lage wären, Eigentum zu erwerben, ziehen es vermehrt vor, ­Wohnraum zu mieten. Nicht weniger über­raschend: Die Zahl der Miethaushalte, die über ein Einkommen von mehr als einer Million Dollar verfügen, erreichte ein Rekord­hoch und hat sich zwischen 2015 und 2020 verdreifacht. Das betrifft zwar »nur« 3.381 Haushalte, scheint aber dennoch so etwas wie in Mikrotrend im Topsegment zu sein. Das legt natürlich die Frage nahe, ob sich derartige Tendenzen auch in Europa erkennen lassen? Schließlich passiert es ja nicht selten, dass vieles, was in den USA ­geschieht, nach Europa schwappt.

Luxus zu Luxusmieten

»Man kann den US-Markt nur sehr schwer mit dem heimischen vergleichen«, erklärt Peter Marschall, geschäftsführender Gesellschafter von Marschall Real Estate, und ­ergänzt: »Im Luxussegment wird nach wie vor mehr gekauft als gemietet. Aber es gibt aktuell eine Ausnahme. Wohlhabende Ukrainer:innen, die wegen des Kriegs­geschehens in ihrer Heimat vorübergehend in Österreich leben, mieten vorwiegend.« Das sieht Sophie Karoly vom Wiener Luxusimmobilienanbieter Avantgarde sehr ähnlich. Auch sie betreut eine betuchte Klientel aus der Ukraine, die einen sehr gehobenen ­Lebensstandard gewöhnt ist. Unabhängig davon spürt sie aber im D-A-CH-Raum eine kleine Tendenz hin zur Luxusmiete. Der Grund: »Viele Kund:innen warten in der derzeitigen Situation ab, ob sich der Immo­bilienmarkt nach unten bewegen wird, wie es für nächstes Jahr prognostiziert ist«, so ­Karoly. Und Till-Fabian Zalewski, CEO von Engel & Völkers für die D-A-CH-Region, sieht weitere Gründe für den Nachfrage­anstieg bei Mietobjekten: »Die erhöhte ­Inflationsrate, der Rohstoffmangel sowie die gestiegenen Kreditzinsen haben dazu geführt, dass viele Menschen ihren Immobilienkauf zunächst verschoben haben«, so der Immo-Profi, der dann ergänzt und relativiert: »­Daher ist die Nachfrage nach Mietobjekten teilweise gestiegen. Im Luxussegment geht der langfristige Trend aber weiterhin in ­Richtung des Immobilienkaufs.« Diese Markteinschätzung teilt er auch mit ­Marie-Therese Gabriel, Geschäftsführerin im mittlerweile seit 50 Jahren bestehenden Familienunternehmen Dr. Gabriel Immobilien, die allerdings in Sachen Luxusmieten deutlicher wird: »Wir erleben aktuell einen starken Trend hin zu Mietobjekten im Luxussegment. Mittlerweile arbeiten wir auch hier schon mit Vormerklisten. Damit kommen einige Wohnungen gar nicht mehr in die offizielle Vermarktung, weil sie ›off-market‹ vermietet werden«, ­erzählt sie aus ihrem Maklerinnen-Alltag.

Familientauglich In den USA mieten immer mehr Millionär:innen Luxusobjekte. Zu haben ist etwa dieses Einfamilienhaus in Venice, Kalifornien. engelvoelkers.com

(c) Eric Staudenmaier

Altbau Erstklassig ausgestattete Altbauwohnungen in bester Lage werden von Luxusmieter:innen gesucht, Warteliste inklusive. Nicht selten sind sie also schnell vom Markt. gabriel.at

(c) beigestellt

Pro und Contra

So unterschiedlich die Ansichten bezüglich Trend und Tendenz sind, einig sind sich die Expert:innen, wenn es um Einschätzungen etwaiger Vor- und Nachteile beim Thema gemieteter Luxus geht. Man bleibt flexibel, bindet sein Kapital nicht an ein Eigenheim und erspart sich somit Investitionen in die Gebäudesubstanz. »Wenn man nicht sicher ist, wo man in zehn Jahren leben und arbeiten möchte, ergibt es wenig Sinn, in eine ­Immobilie zu investieren«, so Marie-Therese Gabriel. Für diese Flexibilität müssen dann allerdings ein paar Abstriche gemacht werden. So hat man etwa bei der Erfüllung von Ausstattungswünschen einen eher eingeschränkten Gestaltungsspielraum. Und Luxusmieter:innen verzeichnen auf diesem Sektor keinen Vermögensaufbau und müssen stetig steigende Kosten, etwa durch Inflation, einkalkulieren. »Bei Einkommensrückgängen kann es ­dadurch zu Problemen der Leistbarkeit ­kommen«, warnt Till-Fabian Zalewski. Gemietet wird trotzdem. Von wem? »Die jüngeren Generationen binden sich nicht so gerne an einen Ort und oftmals empfinden sie die Verantwortung, die mit Besitz einhergeht, als Belastung«, erklärt Peter Marschall. Aber es sind nicht nur erfolgreiche ­Millennials, die auf den Mietgeschmack gekommen sind, wie Marie-Therese Gabriel aus der Praxis weiß: »Heute erleben wir viele Kund:innen zwischen 60 und 75, die auf ihren Komfort nicht verzichten und die Welt erleben möchten. Viele verkaufen daher ihr Haus und leisten sich dafür ein Penthouse auf einer Ebene, oft mit großer Terrasse, zur Miete. Das Mietobjekt sperrt man einfach zu, um einen Monat im Winter im Warmen zu verbringen.« Zugesperrt wird übrigens meist dort, wo sich auch bei Kaufobjekten die Toplagen ­befinden. In Wien wären das die Innenstadt und die noblen Villengegenden im 18. und 19. ­Bezirk. Auch weil »gerade für Mieter:innen vor allem eine gute Infrastruktur und ein abwechslungsreiches Umfeld wichtige Faktoren bei der Standortwahl sind«, so Zalewski.

Toplagen Auch bei Luxus zum Mieten geht man in die Toplagen, und die sind – so wie bei diesem großzügigen Apartment in Wien – zumeist in der Innenstadt. avantgardeproperties.com

(c) H. Tsukui

Vienna Calling Dieses Penthouse am Wiener Naschmarkt hat u. a. eine 90 Quadratmeter-Wohnküche, ­sieben Schlaf- und fünf ­Badezimmer. engelvoelkers.com

(c) Engels & Völkers

»Wenn sich Menschen noch nicht final für einen Wohnstandort entschieden haben, führen sie häufig erst mal ein ›Leben auf Probe‹ und mieten Luxusobjekte.« Till-Fabian Zalewski,  engelvoelkers.com

(c) Engels & Völkers

»Bei Kund:innen, die sich im gehobenen Segment bewegen, zählen noch immer die Werte Lage, Qualität und Nachhaltigkeit.« Sophie Karoly, avantgardeproperties.com

Erschienen in:

Falstaff RESIDENCES Nr. 02/2023

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