© Mikael Olsson

Schweizer Firmenarchitektur auf hohem Niveau

Bei On ist alles ein bisschen anders, allein der Werdegang des noch jungen, weltweit erfolgreichen Schweizer Brands. Anders ist auch die Arbeitswelt von über 700 Mitarbeiter:innen am Hauptsitz in Zürich, der vor wenigen Monaten neu eingeweiht wurde und nicht viel mit herkömmlicher Firmenarchitektur zu tun hat. Dafür viel mit Bewegung, Natur, Freiheit und Design. Ein Augenschein vor Ort.

14.06.2023 - By Katrin Ambühl

Leichtfüssig joggen sie in kleinen Gruppen ins oder zum Gebäude, zu jeder Tageszeit. Sie arbeiten bei On, und beim Schweizer Brand dreht sich alles ums Laufen. Die Tätigkeit gehört aber nicht nur zur Arbeitskultur von On, sie ist auch ein Kernthema des neuen Innovationscampus in Zürich-West. So findet man beispielsweise eine LED-Schlaufenleuchte in Form einer Laufroute, gewendelte Treppen aus Beton, die durch 17 Geschosse führen und nach oben immer enger und steiler werden und so den Aufstieg auf einen Berggipfel symbolisieren. Die Erkundung vom Eingangsgeschoss bis ins 17. Stockwerk gleicht sozusagen einer Expedition, die gesäumt ist von Überraschungen – ähnlich wie Aussichtspunkte auf einem Berglauf und immer von Natur geprägt. Das vielleicht spektakulärste Objekt ist ein mumifizierter Baum aus dem Engadin, der samt Wurzeln in einer Begegnungszone hängt. Oder eine Sofalandschaft, die an ein Bergrelief erinnert. Die Metapher der Bergwelt soll an die Entstehung des Unternehmens erinnern, die auf eine Wanderung auf einen Berggipfel im Engadin zurückgeht. Die kreativen Gipfelstürmer waren Olivier Bernhard, ein ehemaliger Schweizer Meister im Duathlon und Sieger des Ironman, David Allemann, ein Marketingprofi und Design-experte, sowie Caspar Coppetti, Ökonom und Nachhaltigkeitsvisionär. Sie stecken hinter On und haben einen steilen Weg hinter sich mit der Positionierung des Start-ups, das mittlerweile ganz oben angekommen ist. 

Lauf-Feuer Das Laufen ist nicht nur Kernthema von On, sondern auch Teil der Arbeitskultur. Täglich finden organisierte oder spontane Joggingrunden statt.

© Mikael Olsson

Global regional Zeitgenössische Architektur mit viel natürlichem Licht sind Kernelemente der Gestaltung des Firmensitzes. 

© Eduardo Perez

Leichtfüssig, agil, smart

Das Bürogebäude, der Business Park Atmos, wurde von PSP Swiss Property entwickelt und von EM2N Architekten entworfen. On stieg ins Projekt ein, als die Planung bereits im Gang war. Von Anfang an war klar, dass der neue Hauptsitz für bis zu 1.000 Mitarbeiter:innen die Identität des Unternehmens abbilden sollte. «Indem wir gemeinsam unsere Kultur leben, bleiben wir kreativ und innovativ», ist David Allemann, Mitgründer von On, überzeugt. Er war stark engagiert bei der Planung des neuen Standorts, wie auch Nicolas Martin, Head of Brand Environments (siehe Interview). Für die Umsetzung holten sie zwei renommierte Büros ins Boot: die Architekten Spillmann Echsle und das schwedische Studio Specific Generic. Die Zürcher Architekt:innen hatten mit ihrem Projekt, dem Flagship-Store für die Firma Freitag, 2006 internationale Bekanntheit erlangt. Es war ein Stück Corporate Architecture der ganz neuen Art: roh, ehrlich – und ein stark heruntergebrochenes architektonisches Abbild der Markenidentität. Genau dies ist eine der Kernkompetenzen des Architekturbüros, betont Annette Spillmann: «Uns interessiert die DNA einer Firma. In einem gemeinsamen Prozess der Schärfung und Verdichtung gilt es, die Corporate Identity in Architektur zu übersetzen.» Themen wie Bewegung, aber auch Begriffe wie das Leichtfüssige, Agile und Smarte galt es architektonisch umzusetzen.

Die Aufgabe von Spillmann Echsle bestand hauptsächlich darin, das Raumkonzept und den Grundausbau in einem gemeinsamen Prozess zusammen mit On und Specific Generic zu entwickeln. Einer der Wünsche war die Bildung von sogenannten Villages, die jeweils drei Etagen umfassen. Die Mitarbeiter:innen sind jeweils einem Village zugehörig. In jeder dieser Einheiten hat es eine eigene Teeküche, Pausenbereiche, informelle Sitzungsbereiche und formellere Sitzungsräume sowie Arbeitsplätze. Eine der grössten Herausforderungen bestand darin, logische, interessante Verbindungen und Durchsichten in der Raumabfolge zu schaffen und gleichzeitig den Entwicklungsbereich des Labs, des eigentlichen Herzstücks der Firma, räumlich geschickt zu entflechten. Wenige, mittels orange eingefärbten Glases ausgebildete Öffnungen gewähren den Besuchenden ganz gezielte Einblicke in diese Entwicklungsabteilung. Das Material, die Farbigkeit aus dem Material selbst und die Materialhaptik sind Themen, die das gesamte Werk des Architekturbüros auszeichnen. Beton in unterschiedlicher Ausführung, Industrielichtsysteme und Kühldeckenpaneele prägen die räumliche Atmosphäre. «Highlights des Projekts sind aus unserer Sicht die spannenden Blickbezüge über mehrere Geschosse, die plastischen Treppen aus Sichtbeton und die filigranen weissen Treppengeländer, die mit einer feinen Netzstruktur bespannt sind und damit einen Bezug zur Welt des Sports schaffen. Aber auch die lasierte Holzhaut, die die Meetingräume im Kernbereich umspannt und über grosse runde Öffnungen erstrahlt, entwickelt eine atmosphärische Wirkkraft», sagt Annette Spillmann. Und das Spezielle war natürlich das Zusammenspiel der drei Parteien On, Spillmann Echsle und Specific Generic. Es sei eine intensive Planungszeit gewesen, sagt die Architektin, nicht zuletzt deshalb, weil die Entscheidungen der Durchbrüche in der Gebäudestruktur schnell getroffen werden mussten. Das Gebäude befand sich ja bereits im Bau, als On als Mieter dazukam. Das Resultat ist wirklich einzigartig, die Räume eine Mischung aus rohen Grundmaterialien und edlen Details. Die Verbindung zeigt sich auch im On-Flagship-Store im Erdgeschoss, dem ersten in Europa, und im Mitarbeiterrestaurant «Roots», das auch als normales Restaurant für alle geöffnet ist.

Im Rückzug zum Vorwärts The Library ist als Rückzugs- und Inspirationsort konzipiert worden. Und er eignet sich wie viele Orte auch als Location für ein Fotoshooting.

© Mikael Olsson

«Eigentlich ist das Haupt-thema im ganzen Gebäude Natur versus Technologie, diese Verbindung wollen wir abbilden.» 
Nicolas Martin Head of Brand Kurator Environments bei On

LiVING Als Head of Brand Environments von On ist der neue Campus ist zum grossen Teil Ihr Baby. Welches ist Ihr Lieblingsort?

Nicolas Martin Das kann ich nicht sagen, es gibt so viele spezielle und sehr
unterschiedliche Orte mit überraschenden Details, wir nennen diese Gems, zu entdecken. Dinge, die entweder funktional oder einfach inspirierend sind. 

Die Räumlichkeiten sind wirklich faszinierend, aber regen sie auch zur Arbeit an? Dies ist schliesslich ein Ziel von Firmengebäuden.

Unsere Philosophie heisst: «When you are on, you are on.» Wenn du arbeitest, dann mit deiner ganzen Energie, Intensität und Konzentration. Damit dies so ist, sollen sich die Leute wohlfühlen und ihr Umfeld geniessen. Deshalb sind viele Räume, die wir kreiert haben, so gestaltet, dass man darin sowohl arbeiten als auch sich austauschen oder verweilen kann. 

Also nicht so wie einst bei Google, wo das Spielerische die Räume stark prägte?

Na ja, meine beiden Kinder, eins und drei, glauben tatsächlich, dies hier sei ein riesiger Spielplatz (lacht). Aber bei On haben wir einen klaren Fokus, und das ist das Laufen, die Freiheit, die Bewegung. Bewegung ist der Schlüssel: Wir wollen die Leute dazu motivieren, nicht jeden Tag am gleichen Ort zu sitzen. Diese Themen ziehen sich durchs ganze Gebäude und zeigen sich am besten im sogenannten Trail, einem Weg mit unterschiedlichen Treppen, die sich prominent durchs ganze Gebäude hochziehen. Er beginnt geräumig und breit, spitzt sich nach oben hin aber zu. Es ist fast so, als würde man einen Berggipfel erklimmen. 

Sie haben ja mit zwei verschiedenen Partnerfirmen, Specific Generic und Spillmann Echsle, beim Interior-Konzept zusammengespannt. Warum?

Beide Partner sind Spezialisten auf ihrem Gebiet: Das Architekturbüro Spillmann Echsle ist bekannt für seine rohe, brutalistische Architektur, und Specific Generic ist im Bereich Interior-Atmosphäre stark. Die Kombination der sehr unterschiedlichen Firmen war ungewöhnlich. Aber wir von On wollten den typisch schweizerischen Industrial Look mit dem Atmosphärischen verbinden. Wir legen bei allen unseren Räumen, ob Shops oder Büros, viel Wert auf Details. Deshalb haben wir zum Beispiel auch eine Wasserflasche und -gläser selbst entwickelt mit der Idee, dass man eine Flasche und darauf zwei Gläser gestapelt einfach mit einer Hand transportieren und zu einem Meeting oder Gespräch mit einem Partner gehen kann.

Das Thema Natur ist präsent im Gebäude. Welche Rolle spiel dieses?

Eigentlich ist das Hauptthema im ganzen Gebäude Natur versus Technologie, diese Verbindung wollen wir abbilden. Hightech und Natur spielen bei On zusammen. Doch wir wollten die Natur anders, prominenter umsetzen, als einfach überall Topfpflanzen aufzustellen. Solche finden Sie keine hier. Dafür den Plant Room, eine komplett mit Pflanzen behängte Glasbox, die als Meeting Room oder einfach zum Rückzug dient. Oder der Rock Garden, ein zugleich inspirierender und funktionaler Ort, denn er fungiert als Wartezone für die Laufbandanalyse und Testing. 

Zur Natur gehört auch der Nachhaltigkeits-gedanke. Wie zeigt sich dieser?

An unterschiedlichen Stellen. Es gibt Tische oder Akustikelemente aus Recyclingmaterial, und wir haben sogar einen eigenen Hocker aus recycelten Schuhsohlen entwickelt. Er ist nicht nur nachhaltig, sondern auch mobil, spiegelt also perfekt unsere Werte. Bei den On-Büros im amerikanischen Portland gibt es auch ein schönes Beispiel für nachhaltige Gestaltung: Ein Meeting Room besteht komplett aus biobasierten Materialien, die Wände beispielsweise aus recycelten Rosenknospen …

Die Architektin Annette Spillmann hat gesagt, dass eigentlich jeder Ort im Gebäude eine potenzielle Location für ein Fotoshooting ist. War das ein Wunsch von On?

Nicht explizit. Weil wir aber viele Kommunikationsinhalte an unserem Hauptsitz produzieren, sollten die unterschiedlichen Zonen attraktiv sein und unsere Brand-Werte abbilden. Wir freuen uns ganz besonders, dass unser globales Team, aber auch unsere Partner wie beispielsweise Roger Federer, unsere On Labs mögen, sich darin wohlfühlen und somit noch näher und öfter bei uns sind.

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