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© H&M Home/Kelly Wearstler

Stille Opulenz: So geht Laid-back-Glamour

Decor
Design
Trend
Luxus
Salone del Mobile

Zwischen organischen Sofalandschaften, warmen Erdtönen und edlen Materialien zeigt sich, ausgehend vom diesjährigen Salone del Mobile in Mailand, ein neuer Wohntrend: Laid-back-Glamour verbindet luxuriöse Details mit entspannter Wohnlichkeit – und macht Räume zu atmosphärischen Rückzugsorten.   

Weiche, runde Formen und warme Farben in Erdtönen statt kühler Strenge und glatter Perfektion – beim jüngsten Salone del Mobile in Mailand war schnell spürbar, dass sich die Designwelt gerade neu sortiert. Im Mittelpunkt: Räume, die vor allem eines vermitteln sollen: Geborgenheit. Ein Trend, den auch Michael Niederer, Head of Design von St. Corona Interiors, erkennt: »Es wird alles sehr atmosphärisch, weich und dem Auge schmeichelnd.« Genau diese entspannte Eleganz macht aktuell den Reiz von Laid-back-Glamour aus – einem Stil, der luxuriös wirkt, dabei aber nie laut oder überladen ist.

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Modulares Sitzsystem

GamFratesi haben »Ruffle« für Minotti als zeitgenössisches Wohnen mit Originalität und Authentizität interpretiert.

minotti.com

Mut zu haptischen Oberflächen

Besonders auffällig: eine neue Sinnlichkeit der hochwertigen Materialien. Leder, Samt, strukturierte Stoffe, gespachtelte Oberflächen, Stein und metallische Akzente prägen die aktuellen Kollektionen internationaler Designmarken. »Man traut sich wieder, haptische Oberflächen zu machen«, analysiert Niederer. Gleichzeitig beobachtet er eine deutliche Rückkehr warmer Naturtöne: »Sehr viel Beige, Cognac, Kamel, Tabak – in ruhigen Konstellationen.«

Wer sich die diesjährigen Kollektionen von Minotti, Molteni, B&B Italia oder Flexform ansieht, erkennt, wie stark sich die Formensprache verändert. Denn statt strenger Linien dominieren organische Silhouetten und skulpturale Möbelstücke. So wirken Sofas großzügiger, tiefer und deutlich relaxter. »Man erkennt neue Formen«, sagt der Unternehmer. »Sehr viele Sofas sind nicht gerade, sondern haben eine Ecke und sind dann wieder in eine andere Richtung ausladend. Dadurch entstehen vollkommen neue Settings.«

Ausgewogene Präsenz

Der Sessel »Abaco« (Designer: Ronan Bouroullec) von B&B Italia setzt auf ein Gleichgewicht
zwischen Komfort und Strenge.

bebitalia.com

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Kristall-Schönheit

Die Tischleuchte »Auralia« von Artemide wurde von Carlo Colombo designt. Hier trifft modernes Design auf handwerkliche Perfektion.

artemide.com

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Behaglicher Komfort

Mit dem Outdoor-Sofasystem »Everett« rückt Flexform abgerundete Kanten und großzügige Pölster in den Fokus.

flexform.it

Ein neues Biedermeier

Nach Jahren der nüchternen Reduktion wächst scheinbar die Sehnsucht nach emotionalen Räumen. »Das passt auch ein bisschen zur derzeitigen Zeit. Wahrscheinlich eine Art Biedermeier, wo man versucht, seine eigene kleine Welt wohnlich und atmosphärisch zu machen«, so Niederer.

Luxus definiert sich dabei zunehmend über Qualität und Atmosphäre statt über Inszenierung. Besonders in Paris, wo der Experte regelmäßig Stoff- und Materialtrends beobachtet, fiel ihm auf, »dass ein ganz starker Trend wieder Richtung 20er- und 30er-Jahre geht. Viele Stoffe sind sehr opulent und hochwertig veredelt«. Dahinter stehe ein neues Verständnis: »Dass man nicht kurzfristig einrichtet, sondern sich unabhängig von Trends hochwertige Settings schafft, in denen man länger verweilen möchte.«

»Es ist eine neue Art des Biedermeier zu erkennen, wo man versucht, seine eigene kleine Welt wieder ganz wohnlich und atmo­sphärisch zu machen.«

MICHAEL NIEDERER St. Corona Interiors

Weiche Konturen

»Bosco«, entworfen von Naoto Fukasawa für Molteni&C, soll den Körper dazu einladen, sich ganz zu entspannen.

molteni.it

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Japan-Look

Der Tisch »Torii Love« wurde von Studiopepe für Tacchini entworfen. Gebürsteter Hochglanzlack verleiht ihm eine edle Optik.

tacchini.it

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Nicht beeindrucken, sondern Berühren

Dabei muss nicht das gesamte Zuhause neu gestaltet werden. Gerade einzelne skulpturale Möbelstücke oder edle Materialien lassen sich gut integrieren. »Es geht darum, Atmosphären zu schaffen«, erklärt der Experte. Selbst antike Stücke können sich in diese neuen Wohnwelten einfügen, wenn sie in deren Farbwelt passen. Denn die ruhigen Erdtöne leben von Harmonie und subtilen Übergängen, »allerdings lässt sich nicht alles kombinieren. Das ist ein entscheidender Nachteil an den Erdtönen und den ganz weichen Inszenierungen.«

Zum neuen Wohngefühl gehört eine weitere Ebene: Düfte. »Wenn man vom Wohnen mit allen Sinnen spricht, dann hat der Duft einen hohen Stellenwert«, lässt uns Michael Niederer wissen. Gerade in diesen ruhigen, warmen Interiors kann ein ganz dezenter, feiner Duft die Atmosphäre verstärken. Genau darin könnte auch das Geheimnis des neuen »Laid-back-Glamour« liegen: Er will nicht beeindrucken, er will berühren.

Kick-off in Milano

Kelly Wearstler hat für H&M Home eine modulare Möbelkollektion erdacht, in der Erdtöne eine zentrale Rolle spielen.

hm.com

© H&M Home/Kelly Wearstler

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 4/2026

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Sandra Wobrazek
Koch
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