»The Fog Aesthetic«: Dieser Interior-Trend verändert Glas und Spiegel
Mattiertes Glas, getönte Spiegel und diffuse Oberflächen prägen den Interior-Trend 2026. Wir stellen die spannendsten Designs und Produkte der »Fog Aesthetic« vor.
Glas wird im Interior wieder geheimnisvoller. Statt vollkommen klarer Flächen rücken Strukturen und Tönungen in den Fokus, während Reflexionen den Blick verändern. Von geriffeltem Glas über irisierende Oberflächen bis zu plastischen Kristallwänden zeigt sich eine neue Lust an Unschärfe und optischer Tiefe.
Glas muss nicht vollkommen transparent sein, um Leichtigkeit zu vermitteln. Wie stark Struktur seine Wirkung verändern kann, zeigt FIAM Italia mit dem Couchtisch »Gliss« von Ceriani Szostak. Vertikale Linien durchziehen das mehrschichtige Glas und verändern seine Transparenz je nach Perspektive und Lichteinfall. Die Oberfläche wirkt dadurch stellenweise klar, dann wieder verzerrt und beinahe verschwommen.
Spiegelnde Flächen werden wärmer und experimenteller. Bei der Kollektion »Magnifico« von Marcel Wanders für FIAM Italia lassen sich hohe Spiegelmodule in Silber, Bronze oder einer geräucherten Variante zu größeren Wandflächen kombinieren. Noch stärker mit Wahrnehmung spielt Patricia Urquiolas »Shimmer« für Glas Italia, dessen irisierende Oberfläche je nach Blickwinkel und Lichteinfall ihre Farbe verändert.
Glas wird zur Wand
Bei »Crystal Wall« von Lasvit wird Glas selbst zur räumlichen Struktur. Modulare Kristallkomponenten formen eine plastische Fläche, die das Licht bricht und den Blick durch unterschiedliche Muster verändert. Als Raumteiler oder Wandverkleidung verbindet das System architektonische Funktion mit der Wirkung eines großformatigen Glasobjekts.
Glas muss nicht makellos spiegeln, um Licht einzufangen. Die Kollektion »Convex« von Brokis arbeitet mit mundgeblasenem Glas, dessen Form an eine konvexe Linse erinnert. Je nach Blickwinkel und Position im Raum verändert sich die Wahrnehmung des Lichts, während die Leuchte zugleich wie ein optisches Objekt erscheint.
Glas wird Teil der Architektur
Auch auf größerer Fläche gewinnt das Material an Ausdruck. WonderGlass zeigte während der Milan Design Week 2026 mit »Patchwork« ein modulares Wandsystem aus handgefertigten Gusselementen. Unterschiedlich ausgearbeitete Oberflächen reagieren auf Licht und Bewegung im Raum, wodurch sich die Wirkung der Wand mit dem Standort der Betrachter:innen verändert.
Das Ende der klaren Sicht
»The Fog Aesthetic« steht nicht für eine einzelne Produktkategorie, sondern für eine neue Art, Glas im Interior einzusetzen. Das Material darf den Blick verfremden und Reflexionen verändern, während strukturierte Glasflächen das Licht brechen und streuen. Räume gewinnen an Tiefe, weil Oberflächen ihre Wirkung erst mit wechselndem Licht und unterschiedlichen Perspektiven vollständig entfalten.