Artischocke: Heilendes Distelgewächs?

Marlies Gruber, 22.05.2019

Die Artischocke findet seit Jahrtausenden sowohl als Lebensmittel als auch als Heilmittel Verwendung.
Was bleibt von der Tradition für gesundheitliche Effekte?

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Der Artischocke wird nach­gesagt, eine der Leibspeisen Goethes gewesen zu sein. ­Seine Frau soll sie im eigenen Garten in Weimar angebaut und dem Vielreisenden geschrieben haben, wenn die Ernte anstand. Immerhin galt das Distelgewächs als Aphrodisiakum. Aber nicht nur als Metapher, auch physisch kann die Artischocke dem Herzen im weitesten Sinne Gutes tun. Schon von den alten Ägyptern, Griechen und Römern wurde sie als Lebensmittel und als Heilmittel eingesetzt. Darauf deuten zahlreiche Abbildungen an den Wänden der Pharaonengrabkammern hin. Kulinarisch ist die Artischocke ein ­de­likates Gemüse. Für die leicht bittere ­Geschmacksnote ist das Cynarin verantwortlich, das auch gleichzeitig die oft genannten gesundheitlichen Effekte bedingt. Zudem enthalten Artischocken viele Ballaststoffe und sind gute Kalium-Lieferanten. Kalium leitet Nervenimpulse weiter, es ist daher wichtig für Muskel- und Herzfunktionen. Und wer kaliumreich isst, senkt den Blutdruck. Ballaststoffe fördern wiederum das Sättigungsgefühl, weswegen sie auch interessant sind, wenn man abnehmen oder das Gewicht halten möchte. Von den Ballaststoffen ist vor allem Inulin vertreten, das das Darmmikrobiom – die Darmflora – positiv beeinflusst, indem es die guten Darmbakterien fördert und die schlechten verdrängt. Eine gesunde Darmflora wiederum ist wesentlich für die Verdauung und für ein gut funktionierendes Immunsystem. Bei der Verstoffwechslung von Inulin sinkt der pH-Wert im Dickdarm, was die Aufnahme von Kalzium fördert. Daher ist Inulin auch für die Knochengesundheit ein Puzzlestein. Zu viel Inulin kann den Darm aber auch über das gewünschte Maß hinaus in Schwung bringen. Will man eine der fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag mit Artischocken abdecken, braucht man dafür fünf Herzen.

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