Werbung
Mit gewisser Regelmäßigkeit vermeldet »Das Schick« im zwöften Stock des »Schick Hotels« einen neuen Küchenchef – diesmal gepaart mit einer Auffrischung des Interieurs. Konstante ist die irgendwann etablierte exzentrische Linie einer spanisch-österreichischen Fusionsküche. In diese Denke muss sich jeder Koch erst einmal einarbeiten. Aktueller Eindruck: Gerasimos Kavalieris tut sich eher schwer mit der Vorgabe. Er werkte zuletzt im veganen »Venuss« und ebenfalls mit Fernblick im »Das Turm«. Hier oben am Parkring hat sich zudem im Lauf der Jahre eine instagramtaugliche Kleinstteiligkeit eingebürgert, bei der nur große Köche es schaffen, all den Tupfen, Würfeln, Gittern, Pulvern plus Hauptprodukt kulinarischen Sinn zu verleihen. So muss man die Seeforelle, über deren Frische man diskutieren könnte, erst einmal von einem knallroten Gitter befreien, um sich dann zu fragen, was all die am Teller drapierten Dinge – gehäckselter Häuptelsalat, Ibérico Lardo, konfierte Kohlrabi, eine »Olivensphäre«, Misoaioli, Tawny-Gelee und mächtiges Seeigel-Eis – zum Genuss beitragen können. Beim Lamm scheinen die Beilagen darum zu ringen, die Geschmackssinne am dominantesten zu erobern – superkonzentrierter Süßholz-Kümmeljus, fermentierter Knoblauch, heftige geräucherte Paprikacreme oder Olivenkrokant. Das eigentlich sehr gute Lammbeuschel an der Seite geht bei dem Aromen-Seegang chancenfrei unter. Der zuletzt hier tätige junge Sommelier hat das Weite gesucht, die ungewöhnliche Karte mit schrägen Naturweinen blieb. Im Übrigen: Die kurz nach Beendigung des Mahls getätigte Ansage »Ich hab Ihnen die Rechnung schon mal fertig gemacht, wir wollen zusperren« ist eine herbe Alternative zu einem Digestif.
Werbung