Daniel Spoerri

Daniel Spoerri über Kuttelwurst und Schoko-Bienen

Julia Kospach, 21.07.2019

Im Tischgespräch erzählt der schweizer Künstler über ausgefallene Spezialitäten und erklärt, warum er nicht immer Drei-Sterne-Küche essen will.

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FALSTAFF: Sie haben als Kind im rumänischen Galati gelebt, bevor Sie in die Schweiz kamen, waren lange in Frankreich und Deutschland, haben einen Skulpturenpark in der Toskana und leben seit über zehn Jahren in Wien. Verbinden Sie Ihre zentralen Lebensorte mit bestimmten Speisen? Daniel Spoerri: Es gibt ein paar Spezialitäten, die mich interessieren. Zum Beispiel die französische Andouille, eine Kuttel- und Innereienwurst, die man kalt in Scheiben geschnitten isst wie Salami. Die kleineren Andouillettes werden gebraten, meist mit etwas Sahne. Die habe ich sehr gern, und immer wenn ich in Paris bin, suche ich ein Lokal, wo ich sie essen kann. Leider gibt es sie immer seltener. Eine Frage an den Begründer der »Eat Art«: Wo steht denn die Ess-Kunst heute? In den 1970er-Jahren war die »Eat Art« fast schon eine Opposition zu den vielen nackten Körpern, die es in der Kunst zu sehen gab. Damals war ich einer der Ersten, heute gibt es viele, die Essen und Schmecken in ihre Kunst miteinbeziehen. Ich war anfangs eher überrascht, dass meine Bankette als Performances aufgefasst wurden. Ich hatte sie nur als Festlichkeiten unter einem bestimmten Aspekt gedacht – im Dunklen essen, von hinten nach vorne essen etc. Ich wollte Essen auf eine andere Ebene bringen, um es neu zu erleben und neue Geschmackserlebnisse zu haben. Sie sind ein leidenschaftlicher Sammler, auch von Kochbüchern. Was ist es, was Sie so am Kochen und Essen fesselt? Die philosophisch-kulturhistorischen Aspekte. Kochbücher, die keine klassischen Rezeptsammlungen sind wie Carl Friedrich von Rumohrs »Geist der Kochkunst«. Das ist ein tolles Buch, das zwar immer wieder aufgelegt wird, aber längst nicht so erfolgreich ist, wie es sein sollte. Ihre berühmten »Fallenbilder«, die »tableaux pièges«, die zu den Klassikern der Kunstgeschichte zählen, sind dreidimensionale Stillleben, die die Überreste von beendeten Mahlzeiten festhalten. Welche Momente werden da in die Falle gelockt? Es geht just darum, dass es keine beendeten Mahlzeiten sind, sondern x-beliebige Momente während des Essens. Durchs Einfangen wird es einem bewusster. Wie ein Schnappschuss. L’art de manger, die Kunst des Essens, sagt man in Frankreich. Das heißt, man macht sie sich bewusst und hebt sie heraus.

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