Die Original Bleder Cremeschnitte ist seit über 60 Jahren das kulinarische Wahrzeichen am See.

Desserts: Süße Vermittler

Ilse Fischer, 15.06.2019

Die Desserts der ehemaligen Kronländer: Die mitteleuropäischen Süßspeisen, die wir vorstellen, sind Zeugen der kulinarischen Verbundenheit von Österreich, Slowenien und Italien.

Werbung

Beginnen wir unsere süße Reise in Slowenien und mit einer Ikone der Nachspeisen des Landes, der Original Bleder Cremeschnitte – »kremšnita«. Sie ist das kulinarische Wahrzeichen von Bled und beweist sich schon seit mehr als sechzig Jahren auf dem süßen Parkett. Zudem ist sie für jeden Besucher des schönen Ortes am gleichnamigen See ein Muss. Das Originalrezept stammt aus dem Jahr 1953, der Geburtsort der feinen Süßspeise ist die Konditorei des »Hotel Park« an der Seepromenade, erfunden hat sie Ištvan Lukačevič. Täglich frisch werden die süßen Schnitten aus Eiern, Mehl, süßer Sahne, Zucker und Butter hergestellt. Farb- und Zusatzstoffe sowie Konservierungsmittel sind verboten. Und das schmeckt man. Bled-Besucher können nach dem Genuss die beiden wichtigsten Fragen zur Cremeschnitte leicht beantworten: Woran erkennt man das Original? Wie prüft man die Frische? Antwort 1: Die Schnitte muss auf dem Teller wackeln. Antwort 2: Man muss beim Einstechen in den knusprigen Deckel ein Knacken hören. Probieren Sie diese süße Verführung daher unbedingt. Eine pikant-süße Geschichte verbirgt sich hinter dem Rigó Jancsi. Er ist zwar ungarischer Herkunft, aber eine beliebte Triestiner Nachspeise für alle, die Schokolade lieben. Einer Liebesgeschichte hat er auch sein süßes Dasein zu verdanken. 1896 verliebte sich der Namensgeber Rigò Jancsi, ein ungarischer Geiger und Dirigent, in Clara Ward, Prinzessin von Caraman-Chimay, die allerdings schon verheiratet war. Die turbulente Beziehung hielt trotzdem viele Jahre und brachte, so die Chronik, diesen von der Liebe inspirierten Schokoladenkuchen in die Konditoreien. Und sollte sie nicht wahr sein, so ist es doch eine schöne Geschichte. Der mitteleuropäisch-kulinarische Austausch brachte das Dessert nach Triest, wo es eine zweite Heimat und viele Liebhaber fand. Ein feiner Feiertagskuchen ist der Bujadnik (oder Buiadnik), seine Heimat das Résiatal. Maismehl, Weizen, Eier, Zucker, Sahne, Äpfel, Birnen, Feigen, Sultaninen, Nüsse, Hefe, Wildfenchelsamen, Zimt oder Johannisbrotbaum – lang ist die Liste der Zutaten, ausgewogen dann der Geschmack. Das Geheimnis der perfekten Zubereitung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Heute ist der Bujadnik ein wenig in Vergessenheit geraten, Grund genug, ihn unter den Schutz der »Arche des Ge­­schmacks« von Slow Food Italia zu stellen und damit zu versichern, dass er weiterhin so manchen Festtagstisch bereichert.

Weiterlesen

Werbung