Essay: Wien isst die Welt

Manfred Klimek, 05.01.2019

Die europäische Gourmetszene favorisiert Kopenhagen, Stockholm, Barcelona und nun auch Berlin. Doch ist Wien der derzeit angesagteste Ort der modernen Küche.

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Den Wienern wird nachgesagt, dass sie ihr Essen eher einfach zubereiten. Sie ersticken es in Mehl, ertränken es dann in einem Bad aus aufgeschlagenen Eiern, um es weiterführend mit trockenen Semmelbröseln nahezu luftdicht einzusargen. Danach wird es in Butterschmalz »aussebochn«, also in Pfannen schwimmend dem mittelbraunen Garpunkt zugeführt. Doch all das Panierte ist keine Referenz für die Wiener Küche. Auch nicht Tafelspitz oder Zwiebelrostbraten. Es gibt gar kein Referenzgericht für Wienerisches, sondern ein grandioses Erbe nahezu unverfälschter ungarischer, böhmischer, mährischer, slowakischer, polnischer, galizischer, venezianischer, trentinischer, lombardischer und istrischer Küche. Diese Fülle hat den Wienern immer einen an Vielfalt interessierten Gaumen bewahrt. Und dieses Interesse hat zu einer Vielzahl an Restaurants und Lokalen verschiedenen Zuschnitts geführt, die alle die kulinarische Neugier der Wiener stillen.

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