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In der Wirtschaft gibt es selten Märchen. Doch die wundersame Wiedergeburt des Kameraherstellers Leica ist so eines. Die Marke mit dem forschen roten Punkt und dem Namen in weißer, stolz geschwungener Schrift darunter war vor knapp sieben Jahren praktisch tot. Filmriss, ausgeknipst. Doch dann kam der Retter – in Gestalt eines Salzburger Hobbyfotografen und Lehrers der Waldorfschule. Was für ein Bild von einem heldenhaften Retter. Doch Leica hatte Glück, denn Andreas Kaufmann war nicht nur ein Lehrer, der junge Menschen zu einem besseren Leben, frei von den kommerziellen Zwängen des normalen Alltags, führen wollte, sondern er war auch ein Mann, der zeigen konnte, dass es dieses bessere Leben auch wirklich gibt. Also kaufte er Leica, jenes Digitalisierungsopfer der aufstrebenden modernen Fototechnik der Neunzigerjahre, das in den Händen der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts die berührendsten, beklemmendsten, befreiendsten und schönsten Momente des Lebens in Bildern festgehalten hatte. Ob es der Kuss des amerikanischen Soldaten und einer Krankenschwester am Times Square war (Foto rechts) oder das weinende Mädchen, das im Vietnam-Krieg nackt mit hilflos rudernden Armen vor einem Napalmangriff flieht. Beide Fotos sind Ikonen der Fotografie: das eine, weil es die Freude über das Ende des Krieges zeigt, das andere, weil es dazu beigetragen hat, dass ein Krieg beendet wurde.
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