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Falstaff Sind fade Esser auch fade Liebhaber? Oder kann man auch jeden Tag Frittatensuppe und Schnitzel essen und dennoch ein interessanterer Liebhaber sein als jemand, der sich auf Austern, Innereien und rohen Fisch versteht? LOTTE TOBISCH Da bin ich leider eine denkbar schlechte Auskunftgeberin, weil ich zeit meines Lebens nie viele Liebhaber hatte – was wohlgemerkt kein Verdienst per se ist, es hat sich bloß nie so ergeben. Was hingegen eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat, ist Liebe, Zuneigung, Freundschaft. Ob Teddie (Theodor W., Anm.) Adorno, der Dichter und Philosoph Günther Anders oder der große Kabbalistiker und Religionshistoriker Gershom Scholem: Alle waren Männer, zu denen ich eine tiefe, innige Verbindung hatte, aber in dem Sinn war da nie etwas. So geliebt hab’ ich nur einen ... Konrad Buschbeck, den großen Dramaturgen am Burgtheater ... und die Liebe meines Lebens, der gestorben ist, als ich 34 Jahre alt war. Aber eines hatten diese großen Männer alle gemein, die bei Gott vom Luxus des Lebens gekostet hatten: Ob Kaviar oder Schinkenfleckerln, gut musste es sein! Das war ihnen schon wichtig, viel wichtiger, als dass es nobel zuging. Glauben Sie mir: Die haben sofort gemerkt, ob etwas wirklich gut war. Und, in Wahrheit noch wichtiger: Ob es mit Liebe, mit Achtsamkeit zubereitet war. Was waren das für Menüs, mit denen Sie diese weltberühmten Denker eingekocht haben? Na das isses ja, ich hab’ ein Standardmenü gehabt, mehr oder weniger immer dasselbe, aber immer mit wahrer Liebe gekocht. Das waren ganz besondere, überbackene Schinkenfleckerln mit Salat und, ganz wichtig, Schnittlauch drauf. Wenn einer ein ganz besonders gläubiger Jude war, dann hat er dasselbe bekommen, nur halt als Krautfleckerln. Aber mit Sauerkraut, nicht mit Süßkraut. Und ich habe eine Erfahrung gemacht: Gerade diese Leute, die es gewöhnt sind, in den nobelsten Häusern abzusteigen und von einem »Special Cocktail« zum nächsten weitergereicht zu werden, dass gerade solche Leute unglaublich dankbar sind, wenn sie einmal ein gutes, ein einfaches Essen bekommen.
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