Werbung
Das Bessere ist der Feind des Guten, so lautet einer der wichtigsten Merksätze des angewandten Kapitalismus. Und das hat natürlich schon seine Richtigkeit – theoretisch. Doch in der Praxis liegt es primär an der Definition von »gut« bzw. »besser«, wenn es darum geht, zu entscheiden, welche von mehreren Varianten nun tatsächlich die Nase vorne hat. Und weil die Logik der Märkte im Zweifel so gut wie immer Produktivität und erzielbaren Gewinn als wichtigste aller Erfolgsfaktoren definiert, fallen Produkte, die in dieser Kalkulation nicht vorne liegen, gnadenlos durch den kaufmännischen Rost. Ein Paradebeispiel für diese gängige Praxis ist die Mandarine: Noch vor einer Generation Stammgast in jeder Obstschale und in jedem Krampussackerl, wurde die Zitrusfrucht binnen weniger Jahre von Clementinen und Satsumas aus nahezu allen Obstabteilungen verdrängt. Und viele Kinder und Jugendliche wissen heute nicht einmal mehr, wie anders und unvergleichlich besser echte Mandarinen schmecken können. Dabei ist es nicht einmal so, dass sie nicht mehr angepflanzt würden – nur den Weg zum Endverbraucher schaffen die Früchte so gut wie nicht mehr. Dabei gehören sie mit zu den vielfältigsten und geschmacksintensivsten aller Zitrusfrüchte.
Werbung