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Draußen ist es oft noch dunkel, wenn Henriette Rois die Scheiter in den alten Holzherd schlichtet und Feuer anfacht, bevor sie sich ans Strudeln macht. Früher einmal, als ihr Mann neben dem Gasthaus noch die Greißlerei und die Tankstelle von Mönichkirchen am Wechsel betrieben hat, war sie jeden Tag in aller Früh auf den Beinen, um den Strudelteig zu walken und auszuziehen. Heute geht sie es manchmal schon ein bissl gemütlicher an, was aber keineswegs daran liegt, dass der 69. Geburtstag nicht mehr gar so weit weg ist – sondern nur an der schütteren Gästelage des einst begehrten Schi- und Wandergebiets südlich von Wien. Auch die Greißlerei ist seit ein paar Jahren geschlossen, die Tankstelle gibt es schon lange nicht mehr. Die Strudel freilich macht Frau Rois bis heute wie seit jeher selbst: vom Teigwalken und gefühlvoll routinierten Ausziehen bis zum großzügigen Einbuttern des fertig gerollten Prachtstücks samt anschließendem Backen in der Rein. Dass sie damit zu einigen der Letzten ihrer Zunft gehört, die diese urösterreichische Kulturtechnik noch aus dem Handgelenk beherrschen und mit größter Selbstverständlichkeit auch alltäglich anwenden, ist ihr selbst gar nicht bewusst. »Das ist doch das Normalste überhaupt«, sagt sie, »ein Strudel für die Supp’n und einer als Nachspeis’.« Das war laut Frau Rois das Minimalprogramm in den vergangenen 45 Jahren, in denen sie das Gasthaus bekocht und betrieben hat. »Wenn mehr los war – oder auch in der Fastenzeit – ist oft noch der eine oder andere dazugekommen. War auch kein Problem!«
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