Ambrogio Maestri als Falstaff an der Wiener Staatsoper, Ende 2016.

Wer war eigentlich Falstaff?

Christoph Wagner-Trenkwitz, 19.02.2017

Der Namenspatron des Magazins ist ein Schlawiner. Von Schlankheitswahn und politischer Korrektheit hat er nicht den blassesten Begriff, sein Selbstbewusstsein ist mindestens so gewaltig wie der Bauch, den er vor sich herträgt.

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Witz und Schlitzohrigkeit, Lebens- und Genussfreude hat unser Antiheld von seinem Vater William Shakespeare mitbekommen, der ihn gleich in drei Stücken auftreten ließ. Als »Papà« titulierte den englischen Jahrtausendschriftsteller übrigens auch der bedeutendste italienische Opernkomponist, Giuseppe Verdi. »Falstaff«, seine letzte Oper, wurde im Februar 1893 an der Mailänder Scala uraufgeführt und stürmisch gefeiert. Zwar hatten auch Antonio Salieri und Otto Nicolai in »Die lustigen Weiber von Windsor« den verfressenen Ritter zur Opernfigur gemacht. Doch das ultimative Meisterwerk gelang eben Verdi, auch dank dem kongenialen Textdichter Arrigo Boito. Schon die erste Wortmeldung des enormen, immensen Falstaff, wie ihn seine Diener ehrfurchtsvoll nennen, ist die Bestellung »noch einer« Flasche Sherry; dreißig Krüge davon hat er schon geleert, dazu sechs Hühner und drei Truthähne verspeist – so lautet zumindest die Rechnung, die Falstaff nicht bezahlen kann. Also wendet er sich an zwei wohlhabende Damen, deren Liebe er gemeinsam mit deren Geldbörsen für sich gewinnen möchte. Von Rückschlägen lässt er sich nicht entmutigen und vergisst unterwegs natürlich auch den Genuss nicht: Soeben dem Ertrinkungstod entronnen, noch triefend von den Wassern der Themse, flößt er sich mit einem Glas Glühwein neuen Lebensmut ein.

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