Ángel León verwendet in seinem Lokal fast ausschließlich Produkte aus dem Meer und zaubert daraus feine »natürliche« Gerichte.

Ángel León und das »Aponiente«: Maritime Avantgarde

Othmar Kiem, 06.04.2023

Würste und Schinken aus Fisch, Eis und Saucen aus Plankton, selbst gezüchtete Minishrimps, Nudeln aus Fischcollagen – das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem nicht alltäglichen Repertoire von Küchenchef Ángel León, der im Restaurant »Aponiente« im spanischen Cadíz großartige Küche zelebriert. Dafür wurde er bereits 2017 mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, im vergangenen Jahr kam noch der grüne Stern hinzu. Von »50 Best« wurde das »Aponiente« zudem mit dem Sonderpreis für Nachhaltigkeit geehrt.

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Zwei Kellner kommen mit einem riesigen Wagen voll Würsten an den Tisch gerollt. Mortadella, Chorizo, Salami und andere Würste baumeln vom Haken, am Tisch prangt ein großer Schinken. Meine Frau, die kein Fleisch isst, wirkt merklich angespannt. Was soll das? Doch ich kann sie beruhigen, der Schein trügt. Die Mortadella ist vom Wolfsbarsch, der Schinken vom roten Thunfischbauch, die Wurst vom gefleckten Seebarsch und die Chorizo aus der Makrele. Über neunzig Prozent der Lebensmittel, die in der Küche des »Aponiente« verwendet werden, stammen aus dem Meer. Und Ángel León möchte den Anteil weiter steigern. Er sagt immer, dass unser Planet eigentlich völlig zu Unrecht Erde genannt wird. Richtig müsste er Meer heißen. Über zwei Drittel der Oberfläche besteht aus Wasser und auch wir Menschen bestehen zu knapp zwei Dritteln daraus. Ángel León nutzt das Meer als Speisekammer. Treffend wird er daher in Spanien als »Chef del Mar« betitelt.

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